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„… und kehrten als Dirnen heim“

"Theater"

Das Badhaus war bei dem Stück „Kann denn Baden Sünde sein?“ dreimal ausverkauft, und das Publikum hatte ein Wohlfühlerlebnis.


Christine Hartnagel schlüpft in zwei Frauenrollen und bezieht als Mathilde das Publikum immer wieder in ihr Spiel ein.

Das Badhaus hat seine Feuertaufe als Theaterbühne bestanden: Dreimal ausverkauft, hieß es am Wochenende bei der Aufführung: „Kann denn Baden Sünde sein?“ Eine Frage, die Schauspielerin Christine Hartnagel von der Theatergruppe „Schau & Spiel“ aus Hirschaid beantwortete: Souverän und überzeugend glänzte sie in dem Solostück und schlüpfte dabei in die Charaktere zweier völlig unterschiedlicher Frauen.

Eine ungewöhnliche Einführung in die Geschichte der Badehäuser im Laufe der Jahrtausende. Vielfach unbekannte Fakten aus der Historie der Badekultur, vermengt mit witzigen, haarsträubenden Anekdoten, sorgen für ein richtiges Wohlfühlerlebnis beim Publikum.

Eine der handelnden Personen ist die Bademeisterin Mathilde, eine einfache Frau aus dem Volk, die so redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, im fränkischen Dialekt. Und dann ist da die mondäne Madame Helene, die das Hochdeutsche pflegt. Grundverschieden ist auch das Innenleben der beiden Damen: Mathilde mit ihren intakt-rückständigen Moralvorstellungen, während Madame Helene sich das Badehaus aussucht, um sich mit ihrem Liebhaber zu vergnügen. Als Vorbild betrachtet Helene die Thermen im alten Rom, die sie als Mittelpunkt des schönen Lebens und als „Kathedralen der Lust“ bezeichnet. Dass an gleicher Stelle heute richtige Kathedralen stehen, in denen „feierliche Staatsgottesdienste“ gehalten werden, lässt sie ihre eigenen, höchst delikaten und sarkastischen Schlussfolgerungen ziehen: „Da liegen moralische Verfehlungen doch in der Luft!“

Mathilde wiederum macht sich Gedanken über den Verfall der Moral und der Grundwerte: „Wenn man sieht, wen manche Frauen geheiratet haben, erkennt man, wie sehr es ihnen zuwider ist, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen!“

Es ist ungemein spannend und kurzweilig, wie Christine Hartnagel in die zweiRollen schlüpft, total unterschiedliche Charaktere darstellt und sich in Rekordzeit im Nebenraum umzieht. Und so ganz nebenbei erfährt man viele Details aus der Welt der Badekultur. So haben Ärzte Kranke zu Heilzwecken bis zu hundert Stunden in der Wanne baden lassen, und in der Wanne hat es ein „Süppla aus Schweinespeck und Kälberfleisch, das macht aus Schwächlingen Helden“ gegeben. „Was tut ihr rein?“, fragt sie die Zuschauer, die immer wieder geschickt in das Stück eingebunden werden. Was kommt also in Kulmbach rein ins Süppla? „Broodwörschd!“ Natürlich.

Ein Höhepunkt, als die Schauspielerin eine Begegnung von König Ludwig I. von Bayern mit der Tänzerin Lola Montez im Badehaus als eine Art Puppenspiel vorführt: der Monarch als Schwamm in einen Waschlappen der königlichen Farbe rot gekleidet und seine Mätresse als Bürste in ein gleichfarbiges Handtuch gewickelt.

Am Ende wussten die Zuschauer, deren Lachmuskeln mehr als einmal strapaziert wurden, viel Neues über die Badehäuser. Unter anderem, dass diese im Mittelalter Orte der ungezügelten Lust waren: „Die Körper waren weiß gewaschen und die Herzen von der Sünde geschwärzt. Die Mädchen gingen als Jungfrauen hin und kehrten als Dirnen heim!“

Theater im Badhaus


Nummer vier Aufgrund der großen Nachfrage findet am Samstag, 28. Januar, um 19.30 Uhr eine zusätzliche Vorstellung von „Kann denn Baden Sünde sein" statt. Kartenreservierung unter 09221/940212.

Quelle:
- Bayerische Rundschau vom 23.01.2012
- Foto: Rainer Unger

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