Vergessen Sie London, Mailand und Paris! Die Trendmode der Saison kommt aus dem Kulmbacher Land. Anita Sack und Regine Leuschner haben ein ehrgeiziges Ziel: Bis zum „Tag der Franken" soll ihre Kollektion fertig sein. In einer Modenschau wollen sie eine erneuerte Kulmbacher Tracht vorstellen.
Ideengeberin für das große Projekt war Anita Sack, die in Maierhof (Gemeinde Ködnitz) zu Hause ist. Traditionelle Kleidung, die auch von Menschen von heute gerne getragen wird, schwebte ihr vor. „Bodenständig - aber zeitgemäß und tragbar. Chic, lebensfroh und heimatverbunden eben."
Ein Aufruf an die Menschen in der Region, in Kisten und Schränken zu stöbern, förderte zwar viele Schätze zu tage. Anita Sack verzichtete darauf, die einfach nachzuschneidern.
Die Borte muss sein
Gemeinsam mit Schneidermeisterin Regine Leuschner aus Oberdornlach tüftelte sie an neuen Schnitten. Herzstück der kleinen Kollektion, die dabei herausgekommen ist (und die durch eine pflegeleichte Gastronomie-Variante ergänzt werden soll), ist ein Kleid, das auf den ersten Blick an ein herkömmliches Dirndl erinnert.
Details aber verraten, dass es sich hier um ein typisch fränkisches Kleidungsstück handelt: Das Mieder ist schlicht, der Ausschnitt variabel, immer aber leicht gerundet. Der Rock erhält Fülle durch handgearbeitete winzige Fältchen in der Rückenmitte; Zahl und Tiefe der übrigen Falten lassen sich Wünschen und Figur der Trägerin anpassen. Ob Mieder und Rock miteinander verbunden werden oder separat gefertigt werden, ist Geschmackssache. Die dunkle Wollborte eine knappe Handbreit über dem Rocksaum aber muss sein - Tribut an die Tradition.
Rüschen und Puffärmel kennt man von Kaufhaus-Dirndln. Die Bluse der Kulmbacher Tracht hingegen ist schlicht. Das Leinengewebe mit Nylon-Beimischung lässt den Stoff leicht glänzen und damit sehr edel wirken.
Bei der Auswahl der Seidenstoffe für Mieder, Röcke und Schürzen schwelgen Anita Sack und Regine Leuschner in Farben und Mustern. Das Mieder des Kleids, das Anita Sack zum „Tag der Franken" tragen wird, changiert in allen Tönen von Grün bis Blau. Für den Rock hat sie ein kleines Muster in dunklem Grün gewählt.
(Fast) nur für Frauen
Andere Frauen bevorzugen Mischungen verschiedener Rottöne, kombinieren gewagt Grün mit Orange - oder entscheiden sich für ein dunkles Violett, das als Farbe der Protestanten in der Region eine lange Tradition hat.
Regine Leuschner und die Kulmbacherin Petra Emmel schneidern die Kleider. Etliche Frauen nähen auch selbst: Rund 15 von ihnen werden sich Anfang Juli an der ganz speziellen Modenschau beteiligen.
Noch beschränkt sich die erneuerte Kulmbacher Tracht auf Bekleidung für Frauen. Ideen für eine Männertracht gibt es aber schon: „In meinem Heimatort Oberdornlach hat man schwarze Kniehosen mit weiten Beinen getragen, dazu reich bestickte Hosenträger mit Monogramm", weiß Regine Leuschner. Die sind allerdings aufwendig herzustellen. „Bis zum 'Tag der Franken' ist das nicht zu schaffen." Immerhin: Ein Mann wird doch auf dem Laufsteg zu sehen sein. „Kein Unbekannter", sagen die Frauen - verraten jedoch auch auf mehrfache Nachfrage nicht mehr.
Serie
In einer Serie stellt die Bayerische Rundschau in den nächsten Wochen in loser Folge die kreativen Köpfe vor, die für die Ausgestaltung des „Tags der Franken" am ersten Juliwochenende verantwortlich sind. In der nächsten Folge schauen wir den Menschen über die Schulter, die das Kinderprogramm zum Tag der Franken vorbereiten.
Programm
Einen ausführlichen Überblick über das Veranstaltungsprogramm gibt es im Internet unter