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Kinder überrumpeln den „schwarzen Block“

"Fasching"
Weil das Rathaus umgebaut wird, stürmten die Kulmbacher Narren kurzerhand die Dr.-Stammberger-Halle. Der Nachwuchs des KFK überrumpelte die Getreuen des Oberbürgermeisters und nahmen ihn fest.


Die Soldaten Norbert Tripke (links) und Daniel Zeitler fesseln Oberbürgermeister Henry Schramm und führen ihn ab.


Wehe, wenn sie losgelassen, dann sind die Kulmbacher Narren nicht mehr zu bändigen. Auf das Kommando „Kinder an die Macht!" stürmte am Samstag eine närrische Rasselbande im Auftrag des Kulmbacher Faschingskomitees pünktlich um 11.11 Uhr die Dr.-Stammberger-Halle. Oberbürgermeister Henry Schramm und seine Getreuen vom „närrischen Stadtrat" und dem „schwarzen Block" mussten kapitulieren.

Es ist immer wieder beeindruckend, wenn die Kulmbacher Prinzengarde anrollt.

Parken künftig kostenlos
Die Faschingsfreunde rissen den Stadtschlüssel an sich, und der Kulmbacher Till, gespielt von Michael Friedrich, verkündete augenzwinkernd den Beginn der Narrenfreiheit für seinesgleichen: „In der fünften Jahreszeit erhalten die Kulmbacher Narren einen Extra-Parkschein, der überall in Kulmbach erlaubt, sein Auto kostenlos, aber nicht verkehrswidrig zu parken."

In diesem Jahr war alles anders. Aus dem Rathaussturm war ein Stadthallensturm geworden. Im vergangenen Jahr hatten Stadtrat und Verwaltung das Rathaus im Eifer des närrischen Gefechts kurzerhand zur Baustelle erklärt, heuer war es tatsächlich so. Und so wich man auf die Dr.-Stammberger-Halle aus. Außerdem gab es diesmal gleich zwei Faschingskomitees: Während im Einkaufzentrum „Fritz" das Kulmbacher Faschingskomitee (KFK) jung und alt mit flotten Tanzdarbietungen begeisterte, tanzte auf der Stadthallentreppe das Prinzenpaar vom Faschingskomitee des Stadtrates, Heike I. (Vogel) und Michael I. (Pfitzner) bei angenehmen Temperaturen den Prinzenwalzer.

Doch damit nicht genug: Der vom Stadtrat kurzfristig aus der Taufe gehobene Karnevalsverein hielt in der Stadthalle angeblich seine Prunksitzung ab. „Ausverkauft!", stand auf einem Plakat. Prinz Michael gab dem anrückenden Narrenvolk zu verstehen, dass es nichts zu holen gebe: „Der OB befindet sich im Urlaub. Er führt seine Hunde im Kessel aus."

„Das kaufen wir Ihnen nicht ab", erwiderte Sitzungspräsident Reinhard Ott vom KFK, der sogleich den Sturm auf die Stadthalle befahl. Zum Vorschein kam ein gefesselter, aber gut gelaunter Oberbürgermeister, der ohne Wenn und Aber zugab: „Auch dieses Jahr ham's die Narren geschafft und mich ohne Zögern einfach verhaff't."

Bis zum Aschermittwoch regieren die Narren, gelten in der Bierstadt die vom Till verkündeten elf Gebote. Stadtratssitzungen sind demnach untersagt, denn so der Spaßmacher: „Für die närrischen Sitzungen sind wir zuständig."

Ein Feuerwerk der guten Laune hatten die Narren bereits eine Stunde zuvor im Einkaufszentrum „Fritz" abgebrannt, wo die Karnevalisten zwischen Christbäumen und Weihnachtssternen bunte Farbtupfer setzten. Die Stöpselgarde des KFK und die Garde der Mainleuser Parkettfeger verzauberten mit exzellenten Schautänzen, die Mini-Dancer der 1. Kulmbacher Showtanzgarde unterhielten mit einem spritzigen Gardetanz. Zwei Tanzmariechen wirbelten über das Parkett: Katharina Hahn von den Parkettfegern und Franziska Schmidt vom KFK.

Bunter Zug durch die Stadt
Anschließend hatte sich ein bunter Zug aus allerhand Narren, angeführt vom Kinderprinzenpaar des KFK, Franziska I. (Schmidt) und Felix I. (Blauhöfer), und musikalisch begleitet von der Blaskapelle Burghaig, durch die Innenstadt zur Stadthalle geschlängelt, wo es zur Übernahme der Amtsgeschäfte durch die Pappnasen kam.


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Quelle:
- Bayerische Rundschau vom 21.11.2011
- Fotos: Stephan Stöckel

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