 Kulmbacher Wochenmarkt Mittwoch & Samstag, Wochenmarkt auf dem Kulmbacher Marktplatz bis 13.00 Uhr.
   |  |  „Ein starkes Stück Bayern“"Festakt"
Das Verhältnis Frankens zum Freistaat Bayern birgt Konflikt-Potential. Bei der Feier zum „Tag der Franken“ fallen deshalb deutliche Worte.
Ein fränkisches „Fufuuzela“ überreichten Oberbürgermeister Henry Schramm (links) und Landrat Klaus Peter Söllner (rechts) an Ministerpräsident Horst Seehofer – auf dass die Stimme Frankens in München künftig deutlicher zu hören ist.  „Franken ist ein starkes Stück Bayern!“ Vollmundig lobt Ministerpräsident Horst Seehofer die Region im Norden des Freistaats. Es bleibt ihm nichts anderes übrig: Eindringlich haben ihm seine Gastgeber in der Dr.-Stammberger-Halle soeben vor Augen geführt, welchen Anteil Franken an der Entwicklung Bayerns hatte und hat – und damit die Forderung begründet, künftig mehr als bisher teilzuhaben am gesamtbayerischen Entwicklungsprozess.
Zum „Frankenliedmarsch“, intoniert von der Kulmbacher Stadtkapelle unter der Leitung von Thomas Besand, ist Seehofer zum Festakt anlässlich des „Tags der Franken“ einmarschiert, begleitet unter anderem von Landtags-Vizepräsidentin Barbara Stamm und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit Frau. Die Würzburgerin Stamm und Stefanie zu Guttenberg tragen, wie übrigens auch Landtagsabgeordnete Inge Aures und viele andere der Gäste, Rot: Eine modische Demonstration.
Viel Rot-Weiß auch an den Wänden: Die kommunalen Selbstverwaltungsorgane Bezirk, Landkreis und Städte zeigen Flagge. Die weiß-blaue Raute vermisst der Ministerpräsident.
Nicht vermissen muss er klare Worte. Die findet ein sichtlich gut gelaunter Landrat Klaus Peter Söllner, der dem Gast versichert: „Wenn’s passt, wollen wir schon auch gerne Bayern sein.“ Er wünscht sich, dass Franken die Stärke entwickelt, die es braucht, um die ihm zustehende Position in Bayern zu vertreten. Zu viel Zurückhaltung
Klare Worte spricht auch der Präsident des oberfränkischen Bezirkstages, Dr. Günther Denzler. Er verweist darauf, dass der „Tag der Franken“, der seit 2006 begangen wird, auf einen Beschluss des Bayerischen Landtags zurückgeht – und bedauert es deshalb sehr, dass der Freistaat sich bei der Ausrichtung des Tages sowohl organisatorisch als auch finanziell vornehm zurückhält. Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold bei seinem Exkurs in die fränkische Geschichte, der in die Mahnung an seine fränkischen Landsleute mündet, weniger zu jammern und statt dessen selbstbewusster ihre Stärken herauszustellen.  Auch Dr. Denzler ruft die Franken dazu auf, mehr Selbstbewusstsein zu zeigen. Die Region habe viel zu bieten: Ein Kultur- und Naturerbe, das seinesgleichen sucht, ein leistungsfähiges Handwerk, Industrieunternehmen von Weltruf. „Wenn wir uns nach außen als arme, ausgeplünderte, leidende Region präsentieren, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir nicht attraktiv sind und wenn man uns wenig zutraut.“ Gegen Kulturzentralismus
Dr. Helmut Ritzer, der Vorsitzende der Fränkischen Arbeitsgemeinschaft e.V., wird nicht weniger deutlich. Auch er vermisst das Engagement des Freistaats für den Tag der Franken und fordert eine Abkehr vom altbaierischen Kulturzentralismus. Gleichzeitig warnt er die Bezirke aber auch davor, dass sich dieser Tag regional organisiert: „Es sollte ein Tag aller Franken sein.“
Während Peter Sadlo, künstlerischer Berater im Haus Marteau, der Musikbegegnunsstätte des Bezirks Oberfranken, am Marimbaphon und am Schlagwerk ein furioses musikalisches Feuerwerk abbrennt, tut das Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günther Dippold verbal.
Der Historiker, ein ausgewiesener Kenner der fränkischen und bayerischen Geschichte, verweist darauf, dass Franken seit je ein offenes Land war, das große Menschen hervorgebracht hat. Franken sei nie eng und begrenzt, sondern stets in Bewegung gewesen. „Da sollten wir heute eng sein im Denken und Tun?“ fragt Dippold – und liefert die Antwort selbst: Kein chauvinistisches Frankentum brauche die Region, kein gebetsmühlenhaft wiederholtes Klagen über Beutekunst und Frankenfahne, sondern Menschen, die sich ihres fränkischen Erbes bewusst und bereit sind, sich für die Region stark zumachen. Mehr Bayernflaggen
Weil vieles in Bayern, nicht zuletzt auch die Verfassung, eine fränkische Handschrift trägt, darf Franken auch mehr Bayern für sich beanspruchen, sagt er. Und während an diesem Festvormittag ein Grüppchen Franken um Wolfgang Hoderlein demonstrativ die Frankenfahne auf die Burg trägt, wünscht sich Dippold mehr bayerische Flaggen an Burgen und Museen – als Zeichen dafür, dass der Freistaat Verantwortung übernimmt für das kulturelle Erbe der Region.
Fast hat es den Anschein, als sei der Ministerpräsident von einem derart flammenden Plädoyer ein wenig aus dem Konzept gebracht worden. Franken sei ein starker Partner im Freistaat, versichert er und verweist darauf, dass man durchaus in die Region investiere: Landesamt für Umwelt, Landesamt für Statistik – ausgelagert nach Franken. Das Kompetenzzentrum in Kulmbach – auf einem guten Weg. Und Wunsiedel soll eine zentrale Stelle für die Erfassung von Steuerdaten bekommen. Immerhin, so Seehofer, sei es Aufgabe der Politik, für gleiche Lebenschancen überall im Freistaat zu sorgen. „Sind gerne Gastgeber“
Dass die Franken zumindest beim Feiern jedem Vergleich standhalten können, verspricht schließlich Oberbürgermeister Henry Schramm, den Tag der Franken 2010 als Paradestück interkommunaler Zusammenarbeit bezeichnet und versichert: „Kulmbach freut sich, heute der Gastgeber aller Franken zu sein!“
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 05.07.2010 - Fotos: Ronald Rinklef |  | |  |
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