Willkommen in Kulmbach - Die Markgrafenstadt mit Flair & der heimlichen Hauptstadt des Bieres

„Schales Dünnbier mit bitterem Bilsenkraut“

"Museumstag"

Beim Gedanken an den mittelalterlichen Gerstensaft dreht sich bei den Zuhörern der Magen um.


Viele Besucher werfen einen Blick in die Unterwelt der Plassenburg.

Durch dunkle Gänge laufen, sich in einen mittelalterlichen Badezuber setzen oder einen Blick auf das Dachgebälk des Badhauses werfen: Der Internationale Museumstag ermöglichte gestern spannende und lehrreiche Einblicke in die Kultur und Geschichte Kulmbachs. Badhaus, Zinnfigurenmuseum und Landschaftsmuseum Obermain offerierten ein abwechslungsreiches Programm, das vom Familienbeirat der Stadt mit gestaltet wurde. Hunderte von Besuchern nutzten die Gelegenheit zu einem Museumsbummel. Unter ihnen waren viele Familien, die sich über den freien Eintritt für ihre Sprösslinge freuten.

„So badete man im Mittelalter“, erklärt Hermann Müller dem Mann im Zuber.

Drei Badhäuser in Kulmbach


Eine Vorstellung davon, wie die Menschen einst badeten, lieferte der Vortrag von Stadtführer Hermann Müller über die Lebens- und Badelust im mittelalterlichen Kulmbach. Der Experte unternahm auch einen Abstecher ins Untere Stadtgässchen, wo sich im Haus mit der Nummer 6 in alter Zeit auch ein zweites öffentliches Bad befand. Dort wohnte einst auch Appolonius Weltrich, der erste Ehrenbürger der Stadt, der sich im 19. Jahrhundert für den Anschluss ans Eisenbahnnetz stark gemacht hatte. Und Kulmbach hatte Müller zufolge noch eine dritte Reinigungsanstalt aufzubieten: „Sie befand sich unweit der Stadthalle.“

Arniko F. Schilling demonstriert, wie lange das Wasser braucht, bis es unten ankommt.

Auf der Plassenburg wurde beim Gang durch dunkle Gänge, die gewöhnlich verschlossen sind, so manches Geheimnis gelüftet. Burgführer Arniko F. Schilling führte Jung und Alt in die unterirdischen Geschützstellungen, Kasematten genannt, und die Rossmühle, wo nicht nur Getreide, sondern auch Pulver gemahlen wurde. Beim Gedanken an das mittelalterliche Bier, von dem der Experte ausführlich erzählte („ein schales Dünnbier mit bitterem schwarzen Bilsenkraut gewürzt“), drehte sich bei so manchem Zuhörer der Magen um.

Währenddessen schlug im Zinnfigurenmuseum der Lehrer Wolfgang Schoberth ein weitgehend unbekanntes Kapital der Literaturgeschichte auf: Er stellte den 1870 erschienenen Roman „Fritz Ellrodt“ von Karl Gutzkow und Jakob Wassermanns Werk „Die Gefangenen auf der Plassenburg“ von 1908 vor.

Alte Holzbalken von 1557


Im Badhaus trug die Siegerin des Vorlesewettbewerbs, Annika Ködel, Episoden aus der Geschichte Kulmbachs und der Plassenburg vor. In das Dachgeschoss stiegen einige Besucher zusammen mit Diplom-Ingenieur Bernd Schoerner. Er zeigte Holzbalken aus dem Jahre 1557 und alte Bundzeichen, die in Zeiten ohne Bleistift als Markierungen von den Zimmerleuten eingeritzt wurden. Wie Kulmbach entstand, erfuhren die Zuhörer von Geschichtenerzähler Erich Olbrich bei einer historischen Führung durch die Stadt.

Ralph Hartmann zeigt den kleinen Besuchern, wie Zinnfiguren gegossen werden.

Malen war ebenfalls angesagt: Im Badhaus kreierten die Kinder mit dem Künstler Torsten Russ bunte Kunstwerke, auf der Burg bemalten sie eifrig Zinnfiguren.

Quelle:
- Bayerische Rundschau vom 17.05.2010
- Fotos: Stephan Stöckel

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