 „Tiere haben Zeit zum Sterben“"Tierschutz"
Experten kritisieren bei „frontal 21“ Missstände in Schlachthöfen. In Kulmbach hingegen müssen Rinder durch eine in Deutschland einmalige Betäubungsbox nicht unnötig leiden.
Rinder, die in Kulmbach geschlachtet werden, müssen nicht unnötig leiden. Durch eine Vorrichtung ist ein Fehlschuss bei der Rinderbetäubung ausgeschlossen, so dass ein Optimum an Tierschutz erreicht wird.  Ob den Verbrauchern nach dem Bericht im ZDF-Politmagazin „frontal 21“ das Schweineschnitzel oder der Rinderbraten noch schmeckt? Am Dienstagabend hat die Fernsehnation erfahren, dass der Tierschutz in vielen Schlachthäusern nicht gewährleistet ist.
So werden jährlich zirka 560.000 Schweine falsch abgestochen und sind noch nicht tot, wenn sie in die Brühanlage kommen. „Eine ausgesprochen grausame Angelegenheit“, so der Kulmbacher Schlachthofexperte und Institutsleiter am Max-Rubner-Institut, Professor Dr. Klaus Troeger.
Die Zahl der Rinder, die nicht ausreichend betäubt werden und beim Ausbluten Qualen leiden, schätzen Experten auf 150.000 bis 200.000 Tiere im Jahr. Auch Biorinder sind betroffen. „Die Bioschiene ist am Schlachthof vorbei“, sagt Dr. Tröger. Es geht auch anders
Dass es auch anders geht, beweist der Kulmbacher Schlachthof Woche für Woche – schon seit acht Jahren. Hier wird durch eine besondere Betäubungsbox – Kosten 200.000 Euro – ein Optimum an Tierschutz erreicht. „Es handelt sich um einen Prototyp der Firma Banss, den wir 2002 zur Erprobung bekommen haben“, erläutert Dirk Grühn, der seit einem Jahr den städtischen Schlachthof leitet. Dabei werde der Kopf des Rindes („Es hat keine Schmerzen, kann sich aber nicht bewegen“) so fixiert, dass der Bolzenschuss zur Betäubung immer richtig gesetzt werden kann. „Es ist kein Fehlschuss möglich. Wir haben eine hundertprozentige Erfolgsquote. Das wird auch von der Amtstierärztin kontrolliert.“
Der Schlachthofleiter weiter: „Außerdem schauen wir nicht auf Quantität, sondern auf Qualität. Wir schlachten 15 Rinder in der Stunde und haben auch den Druck nicht. Es hört sich zwar ein bisschen makaber an, aber bei uns in Kulmbach haben die Tiere Zeit zum Sterben.“
Fazit: Mit der in Deutschland einmaligen Betäubungsbox wird ein Optimum an Tierschutz erreicht und die Rindfleischqualität verbessert. „Die schonende, stressreduzierende Schlachtmethode und dazu die kurzen Wege von den Bauern zum Schlachthof bewirken eine sehr gute Fleischqualität, die die Metzger auch wollen“, weiß Grühn. Tierschutzbund kommt
Nach BR-Information ergeben sich nächste Woche möglicherweise neue Perspektiven für den Kulmbacher Schlachthof, wenn sich Dr. Frigga Wirths vom Deutschen Tierschutzbund die Rinderschlachtung anschaut. Vielleicht gibt es gar eine Empfehlung für Kulmbach – und neue Kunden aus dem Biofleischbereich. Auch bei Schweinen, so heißt es, könnten die Schlachtzahlen erhöht werden, wenn in Kulmbach mit überschaubaren Kosten einige technische Umbauten vorgenommen würden.
Zu beiden Themen befragt, hält sich der Schlachthofleiter bedeckt. „Erst muss man wissen, wie es grundsätzlich mit dem Schlachthof weitergeht. Das werden die Gespräche ergeben, die jetzt geführt werden“, betont er. Da hat ihn natürlich die Solidarität von Metzgern und Erzeugern gefreut, die sich für den Erhalt des Schlachthofs und für einen Runden Tisch ausgesprochen haben, nachdem der Stadtrat einen Neubau verworfen hat.
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 08.04.2010 - Foto: pr.
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