 Amadeus rockt – und 1400 Fans lassen sich mitreißen"Konzert"
Auch in der dritten Auflage begeistern „Radspitz“ und die Hofer Symphoniker ihr Publikum.
Sie können gut miteinander: Die Hofer Symphoniker und die Band „Radspitz“ beeindruckten wieder bei ihrem Gastspiel auf der Plassenburg. Vier Zugaben wurden erklatscht.  Sie waren aufgeputscht, rasteten fast aus. Die über 1400 Besucher standen zum Finale nahezu 15 Minuten wie eine Mauer, die schließlich in Bewegung kam, sich mitreißen ließ, im Chor skandierte, frenetisch im Rhythmus klatschte. „Amadeus rockt“ hieß das Zauberwort, und diese perfekte Mixtur aus Klassik und dezibelstarker Disco-Musik feuerte die kühlen Temperaturen und den böigen Wind weg.
Zum dritten Mal schon spielten sie im Schönen Hof der Plassenburg zusammen. Aber so turbulent, lässig, witzig und ideenreich hat man die Hofer Symphoniker und die Band „Radspitz“ noch nicht erlebt. Im neuen Programm wurde jedes Stück eigens für diesen Abend arrangiert: nur zuweilen übertönte der harte Sound etwas die Streicher und Bläser. Aber das war gewollt, keiner sollte sich während der über zwei Stunden zurücklehnen, sondern elektrisiert werden. Ein musikalisches Traumpaar: Roger Eric (links) und Klaus Pfreundner.  Musikalisches Traumpaar
Ein paar stille Momente gab es dennoch. Roger Eric und Klaus Pfreundner kann man als musikalisches Traumpaar bezeichnen. Der Chef der Symphoniker und der Radspitz-Frontmann gaben die Richtung vor, mengten Mozart mit den Beatles und den Rolling Stones, mit Musicals und Opernfragmenten, wechselten die Mimik und Gestik so schnell wie das Outfit. Ihre neckischen Wortspiele ließen das Publikum schmunzeln oder laut herauslachen.
Ihre Stimmen sind hörenswert – vor allem dann, wenn sich Roger zum Operntenor und Udo-Jürgens-Imitator emporschwingt. Eine Woche lang haben die musikalisch so gegensätzlichen Formationen zusammen geprobt. Das Ergebnis ist bestes Einverständnis. Die abrupten Wechsel zwischen Klassik und Rock in den einzelnen Stücken erforderte punktgenaues Fingerspitzengefühl, den zartweichen Streicherstrichen der Hofer folgten oft unmittelbar wuchtige Radspitz-Tongewalten, die nur von den dicken Burgmauern gebremst wurden.
Die Band verwandelte das mit Arkaden gesäumte Areal in eine Art von Disco, wummernde Bässe stiegen zum Himmel, „Rock you like a hurricane“ glich einem musikalischen Erdbeben, die Phons, unterstützt von bulligem Motorradgeräusch, überschlugen sich. Und dann im Gegensatz dazu diese sinfonisch geschliffene, fein nuancierte Ouvertüre zur Oper Wilhelm Tell mit dem filigranen Geigenspiel und dem sonoren Hörnerklang, oder das schmachtende „You`ll be my heart“ aus dem Musical „König der Löwen“ und die Ballade „Hard to say I`am sorry“ in der mittlerweile klaren Nacht. Regional Spitze
Danach wieder diese springenden Gegenpole: Gemeinsames Trommelfeuer, Stakkato, tiefporige Klangbilder. Jugenderinnerungen an die Beatles, die unvergesslichen „Yesterday“ und „It is a hard days night“ ließen niemand kalt.
Erwähnt werden müssen Pete Lawrence und Benjamin Sebald an der Trompete in schmetternden Höhen, der wirbelnde Schlagzeuger Martin Stenger und der Teufelskerl Claudio Estay, die für diesen Abend tragenden Solisten der Hofer Symphoniker. Die Band „Radspitz“ verdiente sich gleichfalls Bestnoten: In ihrer Musikalität und Stilrichtungsqualität stellte sie wieder mal ihre regionale Spitzenstellung heraus.
Begeistert zeigte sich die Hofer Intendantin Ingrid Schrader von dem Abend. Noch ganz beglückt auch drei Damen, die erstmals „Amadeus rockt“ hörten. Beim nächtlichen Rondell-Blick auf das erleuchtete Kulmbach waren sie sich sicher, „wir kommen nächstes Jahr wieder“.
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 26.07.2010 - Fotos: H.W. |