Nein, wer auf das Betriebsgelände des Kulmbacher Metallbauunternehmens Dörnhöfer fährt, der kommt sich nicht vor wie bei einem klassischen Handwerksbetrieb. Imposante Produktionshallen, Staplerbetrieb, mit Metallteilen beladene Lastwagen - auf dem 15.000 Quadratmeter großen Areal geht es quirlig zu. Doch die Tatsache, dass die Firma seit 1892 an eben diesem Standort besteht und heute in mittlerweile vierter Generation von Bernd Dörnhöfer geführt wird - das passt wieder zum klassischen Handwerk. Die dort vertretenen Werte sind dem 43-Jährigen wichtig. Deshalb ist er auch froh, dass sich sein 75 Jahre alter Vater Georg noch nicht ganz aus dem Unternehmen zurückgezogen hat. "Er steht mir immer noch mit Rat und Tat zur Seite. Und er hebt auch mal mahnend den Zeigefinger, wenn mein jugendlicher Elan mal zu arg wird."
Wobei man sich Letzteres kaum vorstellen kann, so besonnen wirkt Dörnhöfer jun. beim Gespräch. Seine Devise: "Wachstum ja - aber nur, wenn dieses Wachstum auch gesund ist." Auf gut 140 Mitarbeiter hat es das Unternehmen mit dieser Einstellung mittlerweile gebracht und auf gut 13 Millionen Euro Jahresumsatz. Größenordnungen, mit denen Dörnhöfer gut leben kann - weil sie gesund sind.
Den Löwenanteil der Erlöse erwirtschaftet das Unternehmen im Bereich Fassaden- und Dachbau, wobei es sich spezialisiert hat - auf Stützkonstruktionen aus Stahl oder Aluminium für Glasfassaden oder auch Glaskuppeln. Dörnhöfer ist ein Meister der Glaspaläste, könnte man flapsig formulieren.
Und in diesem Bereich sind die Kulmbacher in der Region unterwegs, vor allem aber auch bundesweit. Zu den Referenzobjekten gehört die markante Zentrale der VR-Bank Bayreuth ebenso wie das neue Terminal am Stuttgarter Flughafen, der Flughafen Frankfurt, das Kölner Fußballstadion, die Verkleidung von Deutschlands längster Rolltreppe an der berühmten Zeche Zollverein in Essen, eine große Kläranlage im Norden Münchens oder auffällig oft auch markante Bauten in Berlin. Noch vor dem Mauerfall und unter Seniorchef Georg Dörnhöfer fasste die Firma im damaligen Westberlin Fuß und hat dort mittlerweile viele eindrucksvolle Projekte vorzuweisen, von denen die Alte Nationalgalerie nur ein Beispiel ist. In der Bundeshauptstadt hat Dörnhöfer deshalb auch ein eigenes Team von Monteuren, das die in Kulmbach vorgefertigten Konstruktionen installiert. Ansonsten fahren die Montageteams von Oberfranken aus auf die Baustellen in ganz Deutschland.
Zweites, wenn auch mit einem Umsatz von unter einer Million Euro noch recht kleines Standbein, ist der Maschinenbau, den Bernd Dörnhöfer seit rund zwei Jahren als eigenes Tochterunternehmen führt. Hier liegen die Stärken vor allem im Pumpen- und Dichtungsbereich, und hier hält der Chef mittelfristig auch ein deutliches Wachstum noch für möglich. Die Wirtschaftskrise hat das Unternehmen dank treuer Kunden, einiger Großaufträge sowie des Konjunkturpakets der Regierung gut gemeistert, die eine oder andere Auftragsdelle durch Arbeitszeitkonten aufgefangen. Kurzarbeit oder gar Entlassungen waren kein Thema, so Dörnhöfer, der in diesem Zusammenhang seine Belegschaft besonders lobt: "Mit so einer flexiblen und motivierten Mannschaft können Sie eigentlich alles schaffen."
Damit das so bleibt, zieht Dörnhöfer sich den Nachwuchs möglichst selber heran, 23 junge Leute werden derzeit vor allem als Metallbauer ausgebildet. Aber auch Lehren als Technische Zeichner oder im kaufmännischen Bereich werden angeboten. Die Guten werden auf jeden Fall übernommen. Wobei gut nicht unbedingt Spitzennoten im Schulzeugnis heißen muss: "Wer zeigt, dass er anpacken kann, hat gute Chancen." Gerade läuft die heiße Bewerbungsphase für 2011. "Dafür nehme ich mir immer zwischen den Jahren etwas Zeit", sagt Dörnhöfer, der noch Bewerbungen entgegennimmt.
Zugleich setzt er auf eine ausgeglichene Altersstruktur in der Belegschaft. "Wir haben natürlich auch ältere Mitarbeiter, deren Erfahrung ist mindestens ebenso wichtig wie der Elan der Jungen", sagt der Diplomingenieur und: "Wir stellen auch Ältere ein. Ich brauche nicht Jung oder Alt, sondern gute Facharbeiter."
Aus dem eher beschaulichen Kulmbach wegzugehen, kommt für Dörnhöfer nicht in Frage. "Wir sind ein gewachsenes Unternehmen, hier sind unsere Wurzeln", sagt er: "Außerdem liegt Kulmbach doch schön zentral." Eine Einstellung, die zum Handwerk passt. Genauso wie die Hoffnung des Chefs, dass mindestens eines seiner Kinder mal in fünfter Generation den Betrieb übernimmt - auch wenn sie erst drei und sechs Jahre alt sind.
Quelle:
- Frankenpost vom 07.12.2010