Hunderte von Interessenten besichtigten gestern am Tag des offenen Denkmals die früheren Bierkeller in der Altstadt.
Ein Bierkeller am Röhtleinsberg lockte gestern Hunderte in die Unterwelt der Bierstadt.
Rund 85 Keller gibt es in Kulmbach. Viele dienten einst als Bierkeller. Am Tag des offenen Denkmals machten sich gestern Hunderte von Kulmbachern auf und tauchten ein in die Unterwelt ihrer Heimatstadt. Für sie wurde ein Stück Geschichte lebendig, über das Stadtführer Erich Olbrich Interessantes zu berichten wusste.
Unter dem Motto „Historische Orte des Genusses“ öffneten auch das Badhaus und die Nikolaikirche ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Eine große Menschenmenge hatte sich vor dem Rathaus versammelt, wo 2. Bürgermeister Stefan Schaffranek die Besucher begrüßte.
Viele mittelalterliche Städte – wie auch Kulmbach – haben unterirdische Hohlräume in erstaunlichem Ausmaß. Welche Funktion hatten einst diese Keller? „Sie dienten zunächst als Schutz, um sich mit Hab und Gut vor räuberischem Kriegsvolk zu retten“, sagte Olbrich. Später dienten die Gewölbe als Lager. Der Experte berichtete von Kellergemeinschaften, die hier ihre Rüben einschlugen und ihr selbst gebrautes Bier einlagerten. Im 19. Jahrhundert habe die stark aufkommende Brauindustrie die Keller zur Lagerung des Gerstensaftes genutzt.
Schautafeln und Pläne, die zum Teil noch aus dem Königreich Bayern stammten, informierten über die Unterwelt Kulmbachs. Geöffnet war der 180 Meter lange Stollen beim Gasthaus „Zum Tasso“, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges auch als Gefechtsstand gedient hatte. Am Röthleinsberg liegen bis zu vier Keller übereinander, einer davon, der auch besichtigt wurde, gehörte der Brauerei Adolf Christenn. Und zum dritten ging man am Festungsberg unter die Erde.
Aufgrund des großen Zuspruchs sollen die Kellerbesichtigungen in die touristischen Stadtführungen aufgenommen werden.
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 14.09.2009 - Foto: Stephan Stöckel