 Deutschland verblödet, aber keimfreiIn seinem neuen Programm rechnet "Das Eich" mit Obercheckern aus der Oberen Stadt und Panik-Eltern ab. Bei der Premiere feiern ihn 750 Zuhörer in der Dr. Stammberger-Halle.
Ließ in der Dr. Stammberger-Halle "den Schwachsinn galoppieren": Stefan Eichner alias "Das Eich".  "Der Schwachsinn galoppiert" hat Stefan Eichner sein neues Programm genannt, mit dem er am Samstagabend in der ausverkauften Dr. Stammberger-Halle 750 Menschen begeisterte. Dem Titel entsprechend "galoppierte" er in geradezu aberwitziger Geschwindigkeit von einem Gag zum nächsten, überraschte mit gleichermaßen wohltuend kreativen wie wahnwitzigen Liedtexten, gab zwischendrin aber auch zum Nachdenken Anlass bei der Betrachtung einer Gesellschaft, in der der Schwachsinn oder vielleicht besser noch der Irrsinn allgegenwärtig ist.
"Hurra Deutschland, wir verblöden!" warnt "Das Eich" zu Beginn, wobei er als einen der Schuldigen das Fernsehprogramm ausmacht. Dies aber habe das Publikum auch schon festgestellt: "Es kann kein Zufall sein, dass ihr alle hier seid." Eichner berichtet von seinen Erlebnissen mit "Genitalschnorchlern" beim Thermenbesuch und verdeutlicht, dass in der Sauna eine Handtuchunterlage unbedingt vonnöten ist: Nicht nur, damit kein Schweiß aufs Holz kommt, sondern, um zu vermeiden, dass bestimmte edle Körperteile zwischen den Sitzlatten eingeklemmt werden könnten. Schwedischer Flamenco und deutscher Hip-Hop
Für die heutige Jugend als Fangemeinde des "in Deutschland tief verwurzelten deutschen Hip-Hop" gibt es auch wieder eine Breitseite. Wobei er einschränkt, dass es Unsinnigeres gibt als deutschen Hip-Hop: "Schwedischer Flamenco ist noch blöder!" Beim Belauschen von zwanzig "krassen Checkern" in der Oberen Stadt, von denen jeder über ein Vokabular von zwölf bis 15 Wörtern verfügt, habe er das erste Mal in seinem Leben "ein Gebäude weinen gesehen".
Aber auch die heutigen Panik-Eltern, die ihre Kinder im sterilen Wahn keimfrei pflegen und den Allergien in die Hände treiben, bleiben von "Eichs" Kritik nicht verschont. In seiner Jugend war das anders: "Wir schlugen uns das Knie auf, standen auf und spielten weiter, wir wussten, die Natur wird's richten, wozu gibt's denn Eiter!"
Auf breite Zustimmung, zumindest bei den männlichen Gästen, stößt ein Lied Eichners, mit dem er gleichzeitig ein Tabu brechen und eine Brücke schlagen will und in Form des kategorischen Imperativs die Erkenntnis manifestiert: "Männer können nicht schnell kacken!" Leggins mögen nur mollige Damen
Die Anglisierung der deutschen Sprache nimmt der Kabarettist ebenfalls aufs Korn. Selbst beim Einkaufen von Kleidung stellt man fest, dass es kaum noch deutsche Bezeichnungen gibt. Zum Glück gibt's "Das Eich", das die Fachbegriffe erklärt: "Leggings sind Kleidungsstücke, die nur von Menschen getragen werde, für die sie niemals hergestellt worden sind."
Ungewohnte, berührende Töne, die nachdenklich machen, schlägt er in einem Lied an, in dem er den Kindesmissbrauch kirchlicher Würdenträger ebenso anprangert wie die Gier der Banker und Manager sowie Paparazzi, die für das Foto ihres Lebens über Leichen gehen.
In erster Linie möchte Stefan Eichner seinen Besuchern aber einen unbeschwerten, heiteren Abend bereiten und so berichtet er als nächstes über seine Erfahrungen mit einer Hausfrau, die in der Metzgerei durch ihre Nichtentscheidungsfähigkeit den gesamten Betrieb aufhält. Übergewichtige Jugendliche bekommen im wahrsten Sinne des Wortes ihr Fett weg und einen obercoolen Auftritt legt er als "Der Dieter" auf die Bühne, für den ihm sogar Andrea Wilzok assistieren darf. In verschiedenen Parodien verkörpert er Promis von Reinhard Mey bis Udo Lindenberg.
Das über dreistündige Programm strotzt von seltsamsten Gedankengängen, paradoxen Fragen, von geradezu hirnrissigen Geisteskonstrukten, die ein Zuschauer wie folgt kommentiert: "Wie kommt er eigentlich auf den ganzen Sch...!"
Nun, das wird wohl nur er selbst wissen. Was er nach der Premiere in der Dr. Stammberger-Halle ebenfalls weiß: Sein neues Programm ist beim Publikum richtig eingeschlagen. Der Schwachsinn wird mit Sicherheit erfolgreich weiter galoppieren. Nur noch wenige Restkarten
Die nächsten Auftritte von Stefan Eichner sind teils ausverkauft, teils gibt es noch wenige Restkarten wie in Ludwigschorgast am 16. Oktober, in Harsdorf am 13. November und in Neudrossenfeld am 20. November. Karten können unter www.das-eich.de ausgewählt werden.
Quelle: - Frankenpost vom 11.10.2010 - Foto: Unger |