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   |  |  Ein „Lebe hoch“ auf den König beendet das Fest"Schulfest"
Gregori ist in Kulmbach seit 1588 belegt. Als die Vergnügungen immer größere Ausmaße annehmen, erlässt die königliche Schulaufsicht verbindliche Regeln. Der Magistrat verkürzt 1854 die Feiern von zwei auf einen Tag.
Ohne Fahnen, die stets von Buben getragen wurden, war ein Festzug an Gregori undenkbar, wie auch unser Bild aus dem Jahr 1903 zeigt. In Ansbach hieß der Gregoriustag schon immer Fähnleinstag.  Papst Gregor der Große († 604), auf den unser Gregoriusfest zurückgeht, war ein Freund der studierenden Jugend, was der Grund gewesen sein mag, dass er im Jahre 830 zum Patron der Schüler und Studenten erkoren wurde. An seinem Namentag, am 12. März, fanden Schulfeste statt, bei welchem der Schuljahresschluss mit Vergnügen, Spiel und Theateraufführungen gefeiert wurde.
Das Gregoriusfest – kurz Gregori – ist in Kulmbach seit 1588 belegt, und zwar durch die Anweisung des Magistrates an den Rentmeister, jedem Schüler der Lateinschule einen Taler „zu Gregoriy“ auszuhändigen. Sicherlich ist der alte Brauch hier schon lange vorher gepflegtworden, bis er durch die Reformation als „papistisch“ abgeschafft wurde, aber später wieder auflebte. Während der Gregoriustag vielfach nicht mehr gefeiert wird, blieb er in Kulmbach bis heute mit wechselnden Terminen, Formen und Inhalten bestehen.
Es ist ein alte Erfahrung, dass zum Feiern Geld vonnöten ist. Die Schüler der Lateinschule beschafften es sich durch Umsingen in der Stadt, bis es der Magistrat untersagte, weil habgierige Schulmeister das ersungene Geld in ihre eigene Tasche steckten. Verboten wurde das Schulfest auch durch Markgraf Friedrich Carl 1728 „da es durch seine Üppigkeit der Schuljugend mehr schade als nütze“. Ausufernde Trinkgelage und die neue Unsitte des Tabakrauchens gaben hierzu den Anlass.
Während der kirchliche Teil des Festes, der eine mündliche Prüfung der Scholaren enthielt, immer mehr zurückgedrängt wurde, nahmen die Vergnügungen für die Erwachsenen solche Ausmaße an, dass die neue königliche Schulaufsicht ausführliche Richtlinien erließ, die für Kulmbach „einen gemeinsamen Zug der Schüler bei sittlichem Volksgesang hinaus auf die Draht zu Spiel und Tanz als Belohnung für Ordnung, Reinlichkeit und Betragen“ vorsah. Nach der Rückkehr in die Stadt war ein dreimaliges „Lebe hoch“ der Schüler auf den allgeliebten König Ludwig I. obligatorisch. Große finanzielle OpferDie stete Ausweitung zu einem Fest der Allgemeinheit bedeutete für den Magistrat und die beteiligten Familien große finanzielle Opfer. Durch die Spendenfreudigkeit begüterter Bürger wie Justizrat Dr. Christoph Negelein oder später Geheimrat Fritz Hornschuch konnten vor allem arme Schüler an der Festesfreude teilhaben. Gegen den Widerstand der Kulmbacher Bürger wurde 1854 das auf zwei Tage – in Bayreuth feierte man sogar drei Tage – ausgeweitete Fest wieder auf einen Tag zurückgeführt, ebenfalls wurde der Tanz der älteren Festbesucher untersagt.
In der Zeit vaterländischer Hochstimmung sollte der Schuljugend ein sichtbares Zeichen der Treue zu Vaterland, Heimat und Schule vorangestellt werden – und zwar durch eine Fahne, deren Beschaffung 1872 eine hochherzige Spenderin ermöglichte und die heute nicht mehr auffindbar ist. Eine neue Fahne stiftete Stadtschulrat Max Hundt 1964, die alljährlich zusammen mit der Stadtfahne im Festzug mitgeführt wird.
Infolge des 1. Weltkrieges war es erst 1921 wieder möglich, das alte Schulfest im bescheidenem Rahmen durchzuführen. In den folgenden Jahren wurde der Festzug immer bunter, origineller und themenbezogener. Ab 1933 konnten sich die braunen Machthaber solch publikumswirksame Veranstaltungen wie Gregori für ihre Zwecke nicht entgehen lassen. Im Festzug marschierten Schulklassen in HJ-Uniformen mit dröhnendem Marschschritt und Hakenkreuzfahnen hinter der SA-Kapelle. Abends dann vor dem Vereinshaus ein dreifaches „Sieg Heil“.
Duch den 2. Weltkrieg erfolgte bis 1949 eine Zwangspause. Kulmbacher Schulanfänger von 1940, heute 75-jährig, haben Gregori also nie erleben können. Wurstschnappen – wie hier beim ersten Nachkriegsgregori 1949 – und Eierlaufen sind bei der Schuljugend sehr beliebt.  Neuanfang vor 60 JahrenAm 12. Juli 1949, vor genau 60 Jahren, war es wieder soweit: an der Spitze des Festzuges der neue Oberbürgermeister Georg Hagen, gefolgt von 3300 Schülern aller Kulmbacher Schulen. Der Geist einer neuen Zeit wurde hörbar durch das von Max Hundt gedichtete Lied „Alle Schulen sind geschlossen, und die Bücher haben Ruh“, das als Standardlied eine ganze Schülergeneration begleitete.
Viele Jahre zog die Schuljugend in unbeschreiblich schönen Festzügen zum Schützenhausplatz hinaus vor die Stadt, deren Geschäfte nachmittags geschlossen hatten, bis der Festplatz auf des ehemalige Sandlergelände verlegt wurde. Die Schulen in der Blaich, Burghaig und Ziegelhütten feiern separat ein Wiesenfest, und seit einigen Jahren feiern die anderen Schulen der Stadt ihr Gregori auf dem jeweiligen Schulgelände, nachdem die Schüler – wie heute wieder – vorher gemeinsam singend durch die Straßen Kulmbachs gezogen sind.
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 18.07.2009 - Fotos: Stadtarchiv |  | |  |
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