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Filter saugen den Dreck weg

"Freibad"

Aufwändige Technik mit riesigen Filteranlagen und Umwälzpumpen sorgt dafür, dass 4600 Kubikmeter Wasser eine ganze Saison lang sauber bleiben.


Volkstriathlon im Freibad

Auch wenn im Freibad viel los ist, wie hier beim Volkstriathlon, sorgen Wasserfilter, Umwälzpumpen und Chlor dafür, dass die Wasserqualität einwandfrei ist.

Klar, frisch und mit angenehmen 24 Grad Celsius lockt das Wasser im Becken. Zeitig am Morgen ziehen die Frühschwimmer ihre Bahnen, bevor sich das Bad mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen füllt, die sich bei hohen Temperaturen nach Abkühlung sehnen. Dafür, dass das Wasser auch an heißen Tagen mit vielen Besuchern sauber und hygienisch einwandfrei bleibt, sorgen im Kulmbacher Freibad Schwimmmeister Gerhard Spindler und seine Kollegen.

Hinter dem reibungslosen Schwimmbadbetrieb steckt jede Menge Technik. Schon knapp zwei Monate bevor die Badesaison beginnt, starten die Vorbereitungen, bei denen das Stadtwerke-Team (sechs Schwimmmeister und Fachangestellte für Bäder, drei Reinigungskräfte und zwei Kassiererinnen) mit mehreren Fremdfirmen zusammenarbeitet, um die Freizeitanlage in Schuss zu bringen. Die Rasenflächen werden gemäht, die Hecken gestutzt und die Randbepflanzungen auf Vordermann gebracht, alle Schwimmbecken geputzt. Maurer, Fliesenleger und Maler bessern Schäden aus, die während des Winters entstanden sind. „Bevor die ersten Gäste kommen, ist immer alles tipptopp“, sagt Gerhard Spindler stolz.

Immer auf dem neuesten Stand


Dasselbe gilt für die technischen Anlagen, an denen umfangreiche Wartungsarbeiten durchgeführt werden. Die Stadtwerke investieren hier regelmäßig in neue Technik, „sodass wir immer auf dem neuesten Stand sind“. Im Mittelpunkt steht dabei die Wasseraufbereitung: Die Filteranlagen werden überprüft, ebenso die Umwälzpumpen, die Mess- und Regeltechnik wird kalibriert, damit Chlorgehalt, pH-Wert und Redox-Wert täglich zuverlässig bestimmt werden können. Der TÜV überprüft zusätzlich die Kältetechnik und die Sicherheit der Wasserrutsche.

Ist das alles erledigt, wird das Wasser in die vier Becken eingelassen – insgesamt 4600 Kubikmeter. 2000 davon entfallen allein auf das große Schwimmerbecken, mit 1050 Kubikmetern etwas mehr als die Hälfte auf das Nichtschwimmerbecken und 1500 Kubikmeter auf das kleinere, aber immerhin 4,50 Meter tiefe Sprungbecken, der Rest auf das Kinderbecken. Knapp fünf Tage dauert es, bis alle gefüllt sind.

Ein ewiger Kreislauf


Das Badewasser ist Kreislaufwasser, das heißt, es wird während der Saison nicht ausgetauscht, sondern beständig umgewälzt und dabei mechanisch und chemisch gereinigt. Eine gewaltige Hightech-Filteranlage sorgt dafür, dass die Gäste immer in sauberem Wasser baden. Feine Schmutzpartikel wie Staub und Hautschuppen werden mit einem so genannten Flockungsmittel gebunden. Die Flocken setzen sich dann in der Filteranlage ab. Wie oft diese so genannte Filterrückspülung gemacht wird, hängt vom Wetter und der Zahl der Badegäste ab. „Wenn es heiß und voll ist, machen wir das jeden Tag, bei schlechtem Wetter mit wenigen Besuchern mindestens zwei Mal pro Woche“, erläutert Gerhard Spindler.

Gröbere Verschmutzungen wie Laub, Haare und ins Wasser gefallene Insekten saugt ein automatischer Bodenreiniger auf, der ins Wasser gelassen wird und den Boden abtastet. Etwa vier Stunden dauert es, bis er seine Runde durch das 50-Meter-Becken absolviert hat.

Damit auch mikrobiologisch alles im grünen Bereich bleibt und Bakterien und Keime keine Chance haben, sich auszubreiten, ist Chlor zur Desinfektion des Schwimmbadwassers unverzichtbar. Dabei kommt seit der diesjährigen Saison im Freibad ein neues System zum Einsatz: „Wir haben von Chlorgas auf Chlorelektrolyse umgestellt. Das ist ein großer Vorteil für die Sicherheit, denn das Chlor ist flüssig gebunden. So kann kein Gas austreten.“

Der Schwimmmeister achtet darauf, dass täglich nicht nur der Chlorgehalt des Wassers kontrolliert wird, sondern auch der pH-Wert, der zwischen 6,8 und 7,2 liegen sollte.Durch Zugabe von Säure oder Lauge kann er gesenkt oder angehoben werden. Stimmt der pH-Wert nicht, kann es für die Badegäste zu unangenehmen Hautreaktionen wie Brennen oder Jucken kommen. „Das soll natürlich nicht passieren“, sagt Spindler. Auch der Redox-Wert, ein Indikator für die Gesamtqualität des Wassers, wird deshalb zwei Mal täglich bestimmt.

Laborergebnisse im Schaukasten


Die Umwälzpumpen sorgen dafür, dass der Wasserkreislauf niemals still steht. So werden stündlich 770 Kubikmeter Wasser umgewälzt – vier Mal pro Tag läuft das gesamte Badewasser durch die Filteranlagen.

Neben den Eigenkontrollen werden regelmäßig bakteriologische Untersuchungen durch ein spezialisiertes Labor vorgenommen, vor allem auf Escherichia Coli-Bakterien und Legionellen. Zusätzlich wird das Duschwasser auf Legionellen untersucht. Die aktuellen Ergebnisse hängen im Schaukasten bei den Umkleidekabinen aus.

Freibad


Warmes Wasser Zum Wohlfühlen gehört im Freibad auch eine angenehme Wassertemperatur. Für konstante Werte um die 24 Grad Celsius sorgt eine Wärmepumpe, die dem Wasser des vorbeifließenden Mains einige Grad entzieht und diese an das Badewasser abgibt.

Winterfest In ein paar Wochen wird das Freibad winterfest gemacht. Das Wasser bleibt in den Becken, Eisdruckpolster aus Kunststoff am Beckenrand sorgen dafür, dass das Eis arbeiten kann, wenn das Wasser gefriert. Nur beim Schwimmerbecken ist das nicht nötig, denn die Abwärme der Eiserzeugung für die Kunsteisbahn sorgt dafür, dass es nie zufrieren kann.

Seit vier Jahrzehnten Bademeister

Schwimmmeister Gerhard Spindller hat die Technik des Freibades fest im Griff.

Schwimmmeister Gerhard Spindller hat die Technik des Freibades fest im Griff. Die gewaltigen Filteranlagen sorgen dafür, dass das gesamte Wasser aus allen Becken mehrmals täglich verschiedene Reinigungsprozesse durchläuft.

Es ist die letzte Freibadsaison, für die Schwimmmeister Gerhard Spindler bei den Stadtwerken verantwortlich zeichnet. Der 60-Jährige geht zum Jahresende in den Ruhestand. Mit Spindler geht eine Ära zu Ende: 41 Jahre lang war der Schwimmmeister in den Kulmbacher Bädern tätig und ist damit so etwas wie eine Institution. „Es war eine schöne Zeit“, blickt Spindler zurück, und neben der Vorfreude auf die neue Freiheit ist ein wenig Wehmut dabei. 1969 hat er als Schwimmmeisterhelfer angefangen, seit 1978 ist er geprüfter Schwimmmeister. Im Lauf der Jahre wurden ihm immer mehr Aufgaben übertragen, bis er die Verantwortung für die gesamten Freizeitanlagen der Stadtwerke übernahm: das Freibad, das Hallenbad und die Kunsteisbahn.

Vieles hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten verändert. Spindler erinnert sich an die Umbauten, die das Badmodern und attraktiver gemacht haben. „Früher gab es viel weniger Technik, es war alles einfacher, dafür aber auch weniger hektisch.“ Verschmutzungen habe man damals noch mit einem speziellen Besen aus dem Wasser gefischt, die Kieswege mit dem Rechen geebnet. Gern erinnert sich Spindler an seinen Mentor Dieter Steinhäuser: „Von ihm habe ich sehr viel gelernt.“

Seine eigenen Aufgaben haben sich während seiner Dienstzeit vervielfältigt: Er ist zuständig für den Wirtschaftsplan und alle Betriebsabläufe vom Personaleinsatz über den Einkauf der benötigten Chemikalien bis hin zu den Sicherheitsprüfungen. Noch immer steht er gern als Aufsicht am Beckenrand, jederzeit bereit, wenn einmal etwas passieren sollte. Der letzte Notfall ist allerdings „schon ewig her“. In seinen ersten Berufsjahren sei es einmal vorgekommen, dass er einen Badegast nach einem Schwächeanfall aus dem Wasser ziehen musste, erinnert sich der 60-Jährige. Kritische Situationen seien glücklicherweise selten. Trotzdem sind die Mitarbeiter auf alles vorbereitet. „Wir gewährleisten eine Rundum-Aufsicht“, betont Spindler. „Mindestens zwei Mann haben den Badebetrieb immer im Blick, am Wochenende werden wir zusätzlich von der DLRG und der Wasserwacht unterstützt.“

Spindlers Nachfolger steht bereits fest und wird seit einigen Monaten von ihm eingearbeitet: Sascha Seitz wird ab dem neuen Jahr Spindlers Aufgabenbereich übernehmen.

Quelle:
- Bayerische Rundschau vom 27.08.2010
- Fotos: Archiv/Dagmar Besand

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