 Flugplatz schlummert unterm Schnee"Winter"
Rund 16.000 Starts und Landungen jährlich zählen die Betreiber des Kulmbacher Verkehrslandeplatzes. Die massiven Schneefälle der vergangenen Tage, Nebel und schlechte Sicht erlauben momentan jedoch keinen Flugbetrieb.
Hier kann und will derzeit kein Pilot starten: Der Verkehrslandeplatz ist tief verschneit.  Schnee in Massen macht Wintersportler glücklich und lässt Reisende verzweifeln. Nicht nur Autofahrer und Bahnkunden müssen derzeit überall Geduld mitbringen, sondern auch Flugreisende. Während die großen Flughäfen mit erheblichem Aufwand dafür sorgen müssen, dass ihr Betrieb weiterläuft, können es die Verantwortlichen der kleinen Verkehrslandeplätze ruhig angehen lassen. Der Kulmbacher Flugplatz fällt in diese Kategorie: Zwar findet hier auch im Winter Flugbetrieb statt, doch derzeit herrscht wegen des massiven Schneefalls Funkstille rund um den Tower.
Als ständiger Flugbegleiter tut Alexander König hier nur im Sommerhalbjahr von April bis Mitte Oktober Dienst, so Roland Schott, Geschäftsführer der Kulmbacher Flugplatz GmbH, in der sich Stadt und Landkreis Kulmbach sowie der Landkreis Kronach als Träger zusammengeschlossen haben.
Der Kulmbacher Verkehrslandeplatz ist zwar klein und bedient keinerlei Linienflugverkehr, doch herrscht hier das ganze Jahr über – abhängig von den Wetterbedingungen – emsiger Betrieb. Rund 16.000 Starts und Landungen von Segel- und Motorflugzeugen, Hubschraubern und Drachenfliegern werden pro Jahr abgewickelt. „Wir haben die Erlaubnis, Maschinen bis zu einem Abfluggewicht von 5,7 Tonnen bei uns starten zu lassen“, erläutert Schott. Das sind schon verhältnismäßig große Maschinen. Zum Vergleich: Ein zehnsitziges Flugzeug bringt es voll besetzt auf ungefähr drei Tonnen. Bei dichtem Schneetreiben und Nebel ist die Sicht für den Flugbetrieb zu schlecht.  Handicap Landebahn
„Ein Handicap ist natürlich die Landebahn, die nur 720 Meter lang ist“, räumt Schott ein. Für die Maschinen, die den Kulmbacher Platz nutzen, ist das kein Problem, „die brauchen nur 50 Prozent der Bahnlänge, um sicher zu starten und zu landen“.
Trotzdem: Laut EU-Recht sollten Verkehrslandeplätze eigentlich 1200 Meter lange Landebahnen haben. Gut für Kulmbach, dass es hier eine Bestandsschutzregelung gibt, denn für diese Länge reicht der vorhandene Platz nicht aus.
Grundsätzlich wird der Flugplatz ganzjährig genutzt, doch nur etwa 1000 Starts und Landungen entfallen auf die Monate Dezember bis Februar. „Das hängt stark vom Wetter ab“, so Schott. Jetzt, wo die Landebahn dick verschneit ist, findet kein Flugbetrieb statt. Bei dieser Schneehöhe könnte man die 720 Meter lange und 30Meter breite Landebahn nur mit großem Aufwand frei räumen. Da die Piloten kleiner Maschinen, die nur auf Sicht fliegen können, bei Nebel und Schneetreiben sowieso am Boden bleiben müssen, wäre das unnötige Mühe.
Ganz anders sieht es aus,wenn schönes, beständiges Hochdruckwetter lockt – dann starten Drachenflieger und Ultraleichtflieger. Schott: „Dann wird die Bahn geräumt. Den Betrieb überwachen ehrenamtliche Mitarbeiter aus den Vereinen.“
Alle Starts und Landungen auf jedem Flugplatz sind erlaubnispflichtig. Ist der Tower nicht besetzt, gibt es keine Erlaubnis. Eine von der Betreibergesellschaft organisierte telefonische Rufbereitschaft gewährleistet, dass der Kulmbacher Tower bei entsprechenden Anfragen kurzfristig bemannt wird – auch im Winter, wenn das Wetter passt. Lage Der Platz liegt mit 1660 Fuß (506 Meter) auf dem höchsten Punkt der Umgebung nördlich der Stadt. Er wurde in den siebziger Jahren gebaut.
Betrieb Die Flugplatz GmbH hat den Betrieb des Kulmbacher Verkehrslandeplatzes an die Betreibergesellschaft FBG übertragen.
Vereine und Firmen Den Platz nutzen die Luftsportvereinigungen Kulmbach und Stadtsteinach, die Nordbayerischen Drachenflieger, die Fränkischen Ultraleicht- Flieger, die Flugschule Zeitler, Junkers Profly und die Ultraleicht-Flugschule.
Katastrophenschutz Der Platz ist in die Notfallpläne des Landkreises eingebunden und kann als Hubschrauberlandeplatz genutzt werden, um Krankentransporte oder Evakuierungen zu organisieren. Das gilt selbst im strengsten Winter: Im Notfall wird auch eine tief verschneite Landebahn von Räumfahrzeugen einsatzbereit gemacht.
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 28.12.2010 - Fotos: pr. |