 Fremde Freunde lassen grüßenDie 81. Jahresausstellung des Bundes Fränkischer Künstler ist seit Sonntag auf der Plassenburg eröffnet. Gleichzeitig wurde zum ersten Mal der Fränkische Kunstpreis an vier Preisträger vergeben.
Die Preisträger des erstmals verliehenen Fränkischen Kunstpreises zusammen mit Mäzenen, Organisatoren und Politikern.  Mit der erstmaligen Verleihung des neu geschaffenen Fränkischen Kunstpreises ist am Sonntag die 81. Jahresausstellung des Bundes Fränkischer Künstler auf der Plassenburg eröffnet worden. 168 Exponate von 86 Künstlern sind bis zum 31. August in der großen Hofstube der Plassenburg zu sehen. 95 Exponate hat eine Jury für die Vergabe des mit insgesamt 5000 Euro dotierten Preises gesichtet.
Den ersten Preis gewann Peter Schmidt, der Modellbau als Kunst betreibt und mit seiner "Festung Europa" ein düsteres Zwischending aus romantischer Ritterburg und futuristischem Konzentrationslager ausstellt. Der Forchheimer expressionistischen Malerin Gerda Poiger wurde der zweite Preis verliehen, der dritte Preis ging an den Maler Henri Deparade und sein Werk, in dem er die Grenzen der figürlichen Malerei erkundet. Ebenfalls mit dem dritten Preis wurde der Fotograf Bernd Telle aus Nürnberg geehrt, der sich für seinen Ausstellungsbeitrag zum Asiaten, Südeuropäer oder auch Afrikaner schminken ließ und sich so sein eigenes Modell war. Die kulturelle Verbindung zwischen der Stadt Kulmbach und dem Bund Fränkischer Künstler habe eine lange Tradition, so Oberbürgermeister Henry Schramm. Seit 1029 finde die Jahresausstellung auf der Plassenburg statt und kein Weltereignis habe das stören können. "Die Ausstellung steht auf festen Beinen und ist zeitlos und jung wie eh und je", betont Schramm, der der Ausstellung Besucher in Scharen wünschte.
Der Kunsthistoriker Dr. Harald Tesan ging bei der Vernissage auf das Thema der diesjährigen Ausstellung ein. "Fremde Freunde" klinge auf Anhieb paradox. Es verstehe sich, dass Fremde zu Freunden werden können- Aber können Freunde "fremd" sein? Die Widersprüchlichkeit dieses Themas sei bewusst gewählt und solle zum umdenken gewohnter Positionen anregen. Ein weites Spektrum
"Fremde Freunde" eröffne in seiner Dialektik ein weites Spektrum an Assoziationen, die von Emigration, innerem Exil, Krieg, Vertreibung bis zur Wirtschaftsflucht und Gastarbeit reiche. All dies seien Faktoren, die auch das Leben in Franken geprägt hätten. "Ich denke, es ist kein Zufall, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft diesmal nicht nur deutlich verjüngt antritt, sondern erstmalig in einer Aufstellung, die in etwa die multinationale Bevölkerungsstruktur in unserem Land repräsentiert." Unabhängig, ob Deutschland Weltmeister werde oder nicht, gehe vom "Fremden" eine eigene, fruchtbare Dynamik aus.
Künstler, so Dr. Tesan, besäßen berufsbedingt ein sensibles Wahrnehmungsorgan für das Fremde, das Andere, das Neue und ließen sich eher auf Unvorhergesehenes ein. Innovation habe viel mit geistiger Beweglichkeit zu tun und knüpfe sich oft auch an räumliche Veränderung. Mehr als 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sei es längst in das Bewusstsein eingedrungen, dass sich Grenzen verändern, niemals als unwiderrufliche Barrieren gelten dürften. Künstler beteiligten sich an der grenzenlosen Verbreitung kultureller Praktiken und reagierten auf eine zunehmend öffentlich werdende Kultur mit einer neuen Innerlichkeit. Das janusköpfige Motto des Kunstwettbewerbs sei aktueller denn je und es biete vielfältigen Interpretationen Raum. "Fremde Freunde" stehe in einem allgemeinen Sinn für das zunächst Unbekannte, das sich beim allmählichen Kennenlernen zum Vertrauten, sogar Geliebten umwandeln könne: "Das ist eine Erfahrung, die wohl jeder bei der Begegnung mit einem anderen Menschen oder mit einer anderen Kultur schon gemacht hat." Diese Erfahrung könne man auch mit Kunst machen. Immer ein offenes Ohr
Reinhard Bienert dankte als Vorsitzender des Bundes Fränkischer Künstler der Stadt Kulmbach für eine außerordentlich gute Zusammenarbeit. "Die Stadt hat immer ein offenes Ohr auch für unorthodoxe Ideen." Mit der Auslobung des Preises, der nun jährlich vergeben werde, wolle man den Verein für neue Mitglieder attraktiv machen und gleichzeitig mehr öffentliche Wirkung erreichen.
Quelle: - Frankenpost vom 05.07.2010 |  | |  |