
Holländer-Premiere zur Festspülwoche
"Anstich"
Die Kulmbacher erlebten am Samstag eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Eröffnung der 60. Bierwoche. Der wiedergenesene Oberbürgermeister Schramm und Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg wurden von Besuchern gefeiert.
Mit einem einzigen Schlag stach Oberbürgermeister Henry Schramm am Samstag das erste Fass Festbier an und eröffnete damit die 60. Kulmbacher Bierwoche. Danach ließ er sich von den Gästen im proppenvollen Feststadel feiern.

Wer eine echte „Holländer“-Premiere miterleben möchte, muss nicht Jahrzehnte auf eine Karte für die Bayreuther Wagner-Festspiele warten. Diese wohltuende Erkenntnis gewannen am Samstagvormittag tausende Besucher aus nah und fern, die der Eröffnung der 60. Kulmbacher Bierwoche beiwohnten.
Und es war ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnlicher Auftakt für die Kulmbacher Jubiläums-Festspülwoche.
Zum einen übernahm der aus den Niederlanden stammende Brauerei-Vorstand Hans P. van Zon erstmals den Begrüßungpart auf der Bühne. In charmantem „Rudi-Carrell-Deutsch“ wünschte der Holländer den Besuchern einen wunderschönen Aufenthalt und stets „gefühlte Maßen“.
Riesenbeifall für OB
Riesenbeifall im proppenvollen Stadel brandete auf, als van Zon Oberbürgermeister Henry Schramm seine Hochachtung aussprach, der es sich trotz seiner schweren Operation vor wenigen Wochen nicht nehmen ließ, den Bieranstich persönlich vorzunehmen.
Und wie! Erst trug der OB mit kraftvoller Stimme sein Bierfest-Gedicht vor, dann trieb er den Zapfhahn mit nur einem kräftigen gezielten Schlag ins Fass. Als das Bier floss, entfuhr dem OB ein begeistertes, glückliches und stolzes „Jaaahh“. „Jetzt geht die Post ab“, rief Schramm dem Publikum zu. Punkt 11.05 Uhr konnte das erste „Prosit der Gemütlichkeit“ erklingen.
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und seine Frau Stephanie ließen sich eine frische Maß schmecken.

Star der überaus harmonischen Eröffnungsfeier war zweifellos Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Bundeswirtschaftsminister nahm mit seiner Frau Stephanie ein Bad in der Menge und genoss die Jubelstürme, die über ihm hereinbrachen. Eine ähnliche Euphorie hatte in vergangenen Jahren nur Showmaster und Ehrenbürger Thomas Gottschalk bei seinen umjubelten Abstechern in den Bierstadel ausgelöst.
Tausende strömten am Samstagvormittag auf den Marktplatz. Hier präsentierten die Büttner, musikalisch begleitet von der Stadtkapelle, traditionsgemäß ihren Bogentanz.

Bogentanz und Böllerschüsse
Dem Anstich voraus ging wie alle Jahre das bunte Treiben auf dem Marktplatz. Vor dem Rathaus sorgte die Stadtkapelle unter der Leitung von Thomas Besand für Stimmung, die Männer des Büttnerfachvereins führten ihren Bogentanz auf, die Bedienungen kredenzten den Ehrengästen schon mal einen Vorgeschmack auf das süffige Festbier.
Nach dem lautstarken Intermezzo der Bischofsgrüner Böllerschützen setzte sich der Festzug, angeführt von einem prächtigen Brauerei-Pferdegespann, Richtung Zentralparkplatz in Bewegung, wo die Gäste im Stadel schon sehnsüchtig auf den Anstich warteten. Am Samstagabend verzeichnete das Stimmungsbarometer erstmals Rekordausschlag. Im Stadel sorgte der „Eslarner New Sound“ dafür, dass die Kehlen nach dem Gesang immer wieder gekühlt werden mussten, und draußen gab es nur schwer ein Durchkommen.
Fanclubs stürmen den Stadel
Etwas beschaulicher ging es gestern beim Frühschoppen mit dem Musikverein Burghaig zu. Am Mittag wurde es farbenfroh, als der Festzug der Fanclubs den Stadel stürmte. „Die Bayrische 7“ heizte am Abend besonders den männlichen Bierfestgästen gehörig ein.
Bierfest-Splitter
Prosit -- Kaum strömte um Punkt 11.05 Uhr das Festbier aus dem Fass, da stimmte die Stadtkapelle Kulmbach unter Leitung von Thomas Besand zum ersten „Prosit der Gemütlichkeit" an.
Prominenz -- Wo er zur Zeit auftaucht, brandet Jubel auf. Und auch im Bierstadel wurde Bundeswirtschaftsminister
Karl-Theodor zu Guttenberg stürmisch begrüßt. Sein Tisch, an dem auch Europaabgeordnete Monika Hohlmeier Platz genommen hatte, war dicht umlagert von Fotografen und Kameraleuten. Zu den prominenten Gästen zählten neben zahlreichen Abgeordneten und Kommunalpolitikern auch die Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Monika Thiemen, und die beiden Ehrenbürger Hans Albert Ruckdeschel und Horst Kühne.
Putzig -- Die Zahl derer, die sich zur Bierwoche in Schale, sprich in Dirndl und Tracht, werfen, wird immer größer. Vor allem die feschen Damen sind ein Hingucker.
Programm -- Nach dem ersten heißen Wochenende geht es heute mit dem Tag der Gastronomen weiter. Ab 12 Uhr sorgt der Musikverein Thurnau für Stimmung im Zelt, um 18 Uhr übernehmen dann die altbekannten „AllGeier" das Zepter.
Preis -- Eine Maß Festbier kostet heuer 6,40 Euro.
Pikantes -- Die Himmelkroner Frankenfarmer sorgen im Stadel für eine ordentliche Unterlage.
Polizei -- Angesichts des Riesenandrangs hielten sich die Polizeieinsätze in Grenzen.
Quelle:
- Bayerische Rundschau vom 27.07.2009
- Fotos: Marcus Führer