 In der Hofstube weht ein frischer Wind"Kultur"
Der Bund Fränkischer Künstler zeigt seit 80 Jahren seine Arbeiten auf der Plassenburg. Die Sommerausstellung vom 28. Juni bis 13. September bekommt ein neues, attraktives Rahmenprogramm, um mehr Besucher anzulocken.Der Vorsitzende des Bundes Fränkischer Künstler, Reinhard Bienert, möchte mehr Menschen für die Ausstellung auf der Plassenburg begeistern.  Frisch und vielseitig, offen für Neues und diskussionsfreudig – so sieht das neue Selbstbild des Bundes Fränkischer Künstler aus. Die Kunstschaffenden, die seit acht Jahrzehnten Kulmbach und der Plassenburg eng verbunden sind, bereiten derzeit ihre 80. Sommerausstellung vor.
Erstmals wird es heuer ein umfangreiches Rahmenprogramm geben, um einer der bedeutendsten Kunstausstellungen der Region zu der öffentlichen Aufmerksamkeit zu verhelfen, die sie verdient. Dieses Ziel haben sich der neue Vorsitzende des Vereins, Reinhard Bienert aus Nürnberg, und seine Vorstandskollegen gesetzt, und die Aufbruchstimmung ist schon zu spüren.
Abstrakte Gemälde, fotorealistische Bilder, Portraits, Landschaften, Stilleben, Skulpturen – rund 260 Arbeiten von 100 Künstlern stapeln sich in der Großen Hofstube der Plassenburg. Hier kann die Jury des Bundes aus dem Vollen schöpfen, um die Ausstellung zu bestücken, die vom 28. Juni bis 13. September zu sehen ist. Lange TraditionDie Sommerausstellungen auf der Plassenburg haben eine lange Tradition. Der Bund Fränkischer Künstler hat bereits im Jahr 1929 eine Heimat in Kulmbach gefunden. Der bayerische Staat, die Stadt Kulmbach, der Verein Freunde der Plassenburg und die Künstler verfolgten damals das gemeinsame Ziel, aus der zum Gefängnis degradierten Plassenburg wieder einen Ort der Pflege des kulturellen Selbstverständnisses der Franken werden zu lassen.
In der von politischen und wirtschaftlichen Krisen geschüttelten Zeit der späten zwanziger Jahrewar vor allem München als Kunstzentrum etabliert, doch die Franken waren auf ein Stück Unabhängigkeit aus und fanden in Kulmbach ein Forum, in dem sie ihre Eigenständigkeit zum Ausdruck bringen konnten.
Das ist noch heute so: Die fränkischen Künstler beweisen, dass sich traditionsverbundene Bodenständigkeit und Experimentierfreude durchaus miteinander vereinbaren lassen. Ein erster Blick auf die Auswahl der Exponate zeigt, dass die Künstler gerne auch neue Stilmittel ausprobieren – wie beispielsweise die Verknüpfung von Fotografie und Malerei in einem Bild. Neben den 55 Mitgliedern des Vereins waren viele befreundete Künstler und Gäste aufgefordert, Arbeiten für die Ausstellung einzureichen. „Wir sind offen für Neues und wollen in Kulmbach kreative und junge Kunst auf hohem Niveau zeigen“, sagte Reinhard Bienert im Gespräch mit der Bayerischen Rundschau.
Von den 260 eingereichten Arbeiten werden in der Ausstellung 180 von 81 Künstlern zu sehen sein. Das oberste Auswahlkriterium heißt Qualität. Einen ganzen Tag lang sichtet und bewertet die Hängekommission alle Arbeiten, einen weiteren Tag benötigt sie, um für jedes Bild den idealen Platz auf der fast 1000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche zu finden. Sonderausstellung für BroghammerIn die Ausstellung integriert wird eine Sonderschau mit Arbeiten des verstorbenen Malers Wilhelm Broghammer aus Königsfeld, dessen Lebenswerk damit gewürdigt wird. Broghammer wurde vor allem durch seine außergewöhnlich lebendigen Tierbilder bekannt.
Kunstbegeisterte dürfen sich auf eine vielfältige und kontrastreiche Präsentation auf hohem Niveau freuen, die das handwerkliche Können und den Ideenreichtum der fränkischen Kunstszene dokumentiert. Bienert und seine Vorstandskollegen hoffen, dass die Sommerausstellung viele Besucher auf die Burg locken wird. Dafür rühren der Eigenbetrieb Kultur der Stadt und die Künstler gemeinsam die Werbetrommel – mit großformatigen Plakaten und 17.000 Handzetteln, die in ganze Oberfranken verteilt wurden, sowie neuen leuchtend roten Werbebannern, die an der Bundesstraße 85, am Holzmarkt, an der Stadthalle und auf der Burg auf das Ereignis aufmerksam machen. Neues KonzeptKunstpreis Die Ausstellung des Bundes Fränkischer Künstler soll künftig ein übergeordnetes Thema bekommen und mit der Auslobung eines Kunstpreises verbunden werden. Erstmals ist das für 2010 geplant.
Rahmenprogramm Um mehr Besucher in die Große Hofstube der Plassenburg zu locken, wird es heuer erstmals ein umfangreiches Begleitprogramm geben: Jeden Sonntag um 15 Uhr werden Künstlerführungen stattfinden. Außerdem gibt es ein Ausstellungsquiz und eine Verlosung von Grafiken, Radierungen und kleinen Originalen.
Vernissage Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 28. Juni, um 11 Uhr.
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 10.06.2009 - Foto: Gabriele Hänseler |  | |  |