BR: Bundesweit scheint es so, als ob die Konjunktur anzieht. Ist das auch in Kulmbach spürbar?
Schramm: Schauen wir auf Bayern! Die zum 1. Juli 2008 veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen zeigen, dass Bayern sich den Spitzenplatz am deutschen Arbeitsmarkt erobert hat. Die Arbeitslosenquote im Juni betrug 3,8 Prozent.
Die Arbeitslosenquote im Arbeitsagenturbezirk Bayreuth lag im Juni 2008 bei 5,3 Prozent. Als Oberbürgermeister wartet man mit Spannung auf die Kulmbacher Zahlen. Im Geschäftsbereich Kulmbach liegt die Quote bei 5,6 Prozent und ist damit so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr.
Laut der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage beurteilen die Unternehmen im Raum Kulmbach die aktuelle wirtschaftliche Lage gut. Ein Indiz dafür ist die hohe Investitionsbereitschaft der Unternehmen.
Das muss nicht automatisch auch eine Zunahme der Beschäftigtenzahlen bedeuten. Dennoch ist vorsichtiger Optimismus berechtigt. Ich sehe die Entwicklung als Ansporn, in der Großen Kreisstadt Kulmbach moderne Infrastruktur und eine wachsende Qualität bei den Rahmenbedingungen zu schaffen und gemeinsam mit den Möglichkeiten der Wirtschaftsförderung alles zu tun, um Betriebe am Standort Kulmbach zu halten und neue Investoren zu gewinnen.
Das schaffen wir nur, wenn wir die Vorzüge des Standortes Kulmbach herausstellen, die Stärken in den Vordergrund rücken. Durch gezieltes Marketing und Image bildendes Tun und Handeln.
BR: Welches sind die wichtigsten Branchen in der Stadt Kulmbach?
Schramm: Lassen Sie mich die Frage folgendermaßen beantworten: Wachstumsbranchen mit Zukunft sind nach meiner Einschätzung unter anderem die Lebensmittelindustrie, der Imageträger Kulmbacher Brauerei, die Metallverarbeitung, Maschinenbau, Umwelt und Naturwissenschaft, Energie, Wärme- und Kältetechnik, die Transport- und Logistikbranche, Cluster - Netzwerke auch als Job-Motoren, Druck, Medien und Multimedia, Finanzdienstleistungen, die Automobilzulieferung. Wachsen wird die Vermarktung regionaler Produkte im größeren Umgriff und die Gesundheitsbranche.
Das Thema Ernährung halte ich, bezogen auf den Hunger in der Welt und die zunehmende Nahrungsmittelknappheit, für eines der Megathemen der Zukunft. Wissenschaft und Wirtschaft sind längst auf dem Weg, Lösungen zu erarbeiten. Auch die Kulmbacher Wirtschaft und die Wissenschaft werden sich einbringen.
BR:Wie sieht es mit dem Handel und anderen Branchen aus?
Schramm: Der Handel verdient besondere Wertschätzung; er lockt Kunden in die Stadt und zahlreiche Fachgeschäfte prägen das Bild Kulmbachs als Einkaufsstadt. Ich schätze die Aktivitäten in Bau und Handwerk ebenso wie die Arbeit in der Land- und Forstwirtschaft. Das Zusammenwirken aller Kräfte, auch die des Hotel- und Gastgewerbes, der Tourismusbranche, macht den Wirtschaftsraum Kulmbach stark und für Investoren interessant.
BR:Wo gibt es noch Defizite und was kann Kulmbach tun, sie auszugleichen?
Schramm: Die Leistungen der Wirtschaft, des Handwerkes, des Handels- und Einzelhandels, des Dienstleistungssektors sind so hervorragend, dass man im Sinne von Optimierung natürlich auch über Ansätze zur Verbesserung sprechen kann.
Defizite dagegen will ich nicht beschreiben, sondern vielmehr große Anerkennung an alle Unternehmer und die Belegschaften aussprechen, die dem Standort Kulmbach mit ihrer Arbeit Profil, Qualität und Stärke geben.
Persönlich versuche ich alles um optimale Rahmenbedingungen für unsere Industrie und das Handwerk immer wieder neu zu schaffen. Die Anknüpfung an die Universität Bayreuth halte ich für einen wichtigen und unverzichtbaren Schritt, um den Standort weiter zu stärken.