 50 junge Damen versuchen sich zum MUT-Tag in Kulmbach in technischen Berufen. Sie erproben ihre Künste im Metallbau oder im Labor. Und die heimischen Betriebe strecken ihre Fühler nach Nachwuchskräften aus.
Feinarbeit an großen Maschinen: Anna-Sophia Gigauri und Alina Wayand legen unter fachkundiger Anleitung von Ausbilder Wilfried Schmidt bei dem Maschinenbau-Unternehmen Zaigler in Kulmbach Hand an.  Kulmbacher Firmen haben am Donnerstag für Mädchen ihre Werkstätten, Labors, Büros oder Studios geöffnet. In Kulmbach geht das oberfrankenweite Ferienprogramm "MUT - Mädchen und Technik" ins siebte Jahr. Bianca Hahn von der Wirtschaftsförderung der Stadt Kulmbach erläutert: "Das Ziel des Projektes ist, Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern, den weiblichen Techniknachwuchs zu fördern und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken." "Auf die Plätze Technik - los!" lautete der Aufruf zum MUT-Tag, dem 50 Mädchen aus dem gesamten Landkreis im Alter von zehn bis 14 Jahren folgten. 21 Kulmbacher Unternehmen, darunter auch städtische Einrichtungen, ließen die Schülerinnen hinter die Kulissen schauen und natürlich auch selbst Hand anlegen.
In den Werkshallen der Firma Zaigler Maschinenbau in der Gummistraße riecht es nach Öl und Metall. In der Lehrlingswerkstatt wird gefräst, gefeilt und gebohrt. Mitten unter den angehenden Feinwerkmechanikern sind heute Anna-Sophia Gigauri und Alina Wayand. Zwölf Jahre sind die beiden Kulmbacherinnen jung. Was sie neben ihrer Freundschaft vereint, ist, dass sie noch nicht so recht wissen, welchen Beruf sie später einmal erlernen wollen. Mit Schutzbrille
Bei Zaigler dürfen die Mädchen aus einem 70 Millimeter langen Rundstahl, den sie selbst absägt haben, einen stylischen Flaschenöffner fertigen. Fachmännisch und helfend geht ihnen dabei Ausbildungsleiter Wilfried Schmidt zur Hand. Seit zwölf Jahren ist er bei Zaigler. "In dieser Zeit haben wir ein Mädchen zum Feinwerkmechaniker ausgebildet. Es ist schon ein typischer Männerberuf. Der Umgang mit den großen Maschinen bereitet den weiblichen Auszubildenden mitunter schon Schwierigkeiten", weiß der 59-Jährige. Er gibt zu bedenken: "Es gehört von Seiten eines Mädchens auch der Wille dazu, dies zu bewältigen." Ob dieser Beruf etwas für Anna-Sophia und Alina ist, wird sich heute zeigen. Doch bevor die Mädchen an die Maschinen dürfen, müssen die Schutzbrillen aufgesetzt und die Haare zum Zopf gebunden werden.
Surrend setzt sich der Tellerschleifer in Bewegung und gewissenhaft und nacheinander halten die Schülerinnen die Werkstücke an die Scheibe, damit die Enden glatt und rund werden.
Die CNC-Drehmaschine aber bedient Norman Böhm, er ist im dritten Lehrjahr und bewältigt für die Schülerinnen den nächsten Arbeitsschritt. Für die Zwölfjährigen heißt es, nur zuschauen. Der Auszubildende erzählt, dass in seiner Berufsschulklasse nur ein Mädchen ist, das die Lehre zum Feinwerkmechaniker absolviert. Für Anna-Sophia und Alina geht der Vormittag schnell mit Bohren und Fräsen vorbei. Was sie mitnehmen, sind ein Einblick von einem von Männern dominierten Beruf und einen Flaschenöffner, den sie selbst gefertigt haben.
Gleich acht Mädchen haben sich in der Bergophor Futtermittelfabrik angemeldet. Ausgerüstet mit übergroßen, orangefarbenen und weißen Kitteln, mit jeweils einem Bleistift in der Brusttasche, schauen sie im Labor den Agrartechnischen Assistenten nicht nur über die Schulter, sondern helfen, Futtermittelproben zu analysieren. Laborleiter Detlef Simniok wirft einen wachsamen Blick auf die Schülerinnen und weist darauf hin, dass genau gearbeitet werden muss, um ein korrektes Ergebnis zu erzielen. Nachwuchslaborantin Ellena Ramming in Aktion bei Bergophor.  Spannende Momente
Ellena Ramming ist Realschülerin. "Ich kann mir schon vorstellen, mal im Labor zu arbeiten", sagt die Leuchauerin und wiegt ihre Probe grammgenau ab. Während einige der Teilnehmerinnen bereits das zweite Mal an "MUT" teilnehmen, ist Jasmin Schott aus Marktleugast das erste Mal dabei. "Ich finde es gut, dass es diesen Projekttag gibt", sagt die Zwölfjährige. Produkte von Bergophor sind ihr bekannt. "Wir haben zu Hause einen Bauernhof und unsere Kühe und auch die Katze bekommen Futter von dieser Firma", erzählt die Marktleugasterin. Wohin ihr Berufswunsch genau geht, kann auch sie noch nicht sagen, aber so viel: "Ich möchte später unseren Landwirtschaftlichen Betrieb weiterführen." Den Labortag, der mit einer Betriebsführung begann, verging für die Teilnehmerinnen im Flug. Auch wenn nicht jede Laborantin oder Feinwerkmechanikerin werden will: Spannend war es allemal.
Quelle: - Frankenpost vom 04.11.2011 - Fotos: Fölsche  | www.frankenpost.de |  |  | Videobeitrag von kulmbach.tv | | Carolin Hannß, Sandra Strozniak, Maren Schlie, Nadine Krpan, Carina Matiaske und Melissa Mertel haben anlässlich des Mädchen & Technik Tages 2011 bei Kama Media hinter und vor die Kamera schauen dürfen. |  |
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