 Maß halten gilt auch für den Preis"Bierkonjunktur"
Der Liter Gerstensaft kostet heute im Vergleich zu 1939 ein Vielfaches. Dennoch war der Zeltbesuch einst ein wesentlich teureres Vergnügen.
Maß halten gilt auch für den Preis.  In der "heimlichen Hauptstadt des Bieres" ist der Bierpreis ohnehin ein wichtiges Thema. Dies gilt ganz besonders zur Bierwoche, wenn die Gäste zu Tausenden in den Bierstadel auf dem Zentral-Parkplatz strömen. 6,40 Euro müssen Liebhaber des süffigen Gerstensaftes für eine Biermarke, die angeblich härteste Währung der Welt, in diesem Jahr ausgeben. Dafür gibt es dann eine Maß (für Preußen und "Reigschlaafta": das ist ein Liter!) des eigens eingebrauten Festbieres oder aber zwei Seidla Kupuziner-Weißbier.
Was jeder Biertrinker weiß: Bier hat mit Milch wenig gemein und schon gar nicht bei der Preisgestaltung. Der Bierpreis ist nämlich über die 70 Jahre seit der ersten Kulmbacher Bierwoche im Jahr 1939 kontinuierlich gestiegen. Eine Preissenkung gab's nie.
Damals kostete eine Maß 80 Pfennige, was angesichts eines durchschnittlichen Stundenlohns von nur 60 Pfennigen eine stolze Summe darstellte. Dagegen entspricht der diesjährige Preis für die Maß nur noch einem Bruchteil des durchschnittlichen Stundenlohns.
Dennoch empfinden vor allem heimische Besucher des Feststadels die Kosten für einen Liter Bier als teuer, weil sie halt einfach "schon wieder" höher als im Vorjahr sind. Da kostete die Maß noch 6,20 Euro. Der Preis hat sich also um 3,2 Prozent erhöht, was Otto-Normalverbraucher angesichts einer offiziell verkündeten Inflationsrate von unter 0 Prozent im Euroraum für sehr viel hält. Aber der Bierstadel ist nun einmal kein "Euroraum", hier gelten Biermarken als Währung.
Im Jahr 1967 kostete die Maß im Bierzelt auf dem Marktplatz 2,20 D-Mark. Bis 1998 war der Preis auf 8,80 D-Mark geklettert, zehn Jahre später lag er bei 9,80 D-Mark. Die Zehn-D-Mark-Grenze überschritt der Preis nicht. Erst nach der Einführung des Euro ging der Preisanstieg weiter, jetzt in Sprüngen von 20 Cent.
Im Jahr 2003 musste der Gast 5,20 Euro hinblättern, 2004 waren es 5,40 euro. Im Jahr 2005 gab es keine Erhöhung, erst 2006 stieg das Entgelt auf 5,60 Euro. Das entsprach bei einem Durchschnittslohn von 15,45 Euro pro Stunde gerade mal der Arbeitszeit von 21,7 Minuten.
Mit 6,40 Euro erreicht der Liter Festbier heuer also einen Rekordwert, der sich allerdings - aller Voraussicht nach - nicht lange halten wird. Den Gästen der Kulmbacher Bierwoche 2009 sei es ein Trost, dass die Münchner Festwirte beim Oktoberfest ganz anders "hinlangen": Da kostet die Maß heuer zwischen 8,10 und 8,60 Euro.
Quelle: - Frankenpost vom 24.07.2009 |  | |  |