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Mikrokredite von der Europäischen Union

"Soziales"

Für den Sprung in die Selbstständigkeit können Arbeitslose künftig Mikrokredite von der der Europäischen Union erhalten.


Erfunden wurden sie für die Dritte Welt, doch in Zeiten der Krise setzt auch Europa darauf: Mikrokredite für Arme. Von dem erfolgreichen Konzept des Friedensnobelpreisträgers und Gründers der Mikrokreditbank Grameen, Muhammad Yunus, lernen auch die Industrieländer. Die EU hat 2010 zum Jahr der Armutsbekämpfung ausgerufen.

In den kommenden Jahren will Europa rund 45.000 Arbeitslosen mit Mini-Darlehen unter die Arme greifen, damit sie den Wechsel in die Selbstständigkeit schaffen. Denn die Wirtschaftskrise hat die Zahl der Menschen ohne Job auf einen Rekordstand getrieben. EU-weit liegt die Quote derzeit bei 9,5 Prozent, knapp 23 Millionen Männer und Frauen sind arbeitslos. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Konzept:

1. Welches Ziel hat die EU?
Ganz oben auf der Prioritätenliste in Zeiten der Wirtschaftskrise steht das Ziel, die Arbeitslosigkeit zu senken. Deshalb will die EU benachteiligten Menschen, die von der Wirtschaftskrise getroffen wurden und nur schwer wieder eine Arbeit finden, beim Sprung in die Selbstständigkeit helfen. Das würde neue Jobs schaffen.

2. Wer kann einen Mikrokredit bekommen?
Jeder, der arbeitslos oder von Jobverlust bedroht ist, und ein Unternehmen gründet. Also Existenzgründer, die bei einer Bank keine Chance haben, einen klassischen Kredit zu bekommen, weil die Banken das Risiko scheuen. Der Mikrokredit soll eine Starthilfe sein. Aber auch bestehende Kleinstunternehmen - vor allem solche im Sozialbereich - können davon profitieren.

3. Wer ist ein Kleinstunternehmer?
Dazu zählt jeder, der eine Firma mit weniger als zehn Mitarbeitern führt, die weniger als zwei Millionen Euro Umsatz macht. Nach Angaben der EU-Kommission sind das 91 Prozent aller europäischen Firmen. Auch wer schon einen Mini-Betrieb besitzt und sich vergrößern möchte, kann einen Mikrokredit beantragen.

4. Wie viel Geld gibt es ?
Antragsteller erhalten ein Darlehen von bis zu 25.000 Euro. Für das gesamte Programm stellt die EU bis 2014 insgesamt 100 Millionen Euro für Menschen aus allen 27 Mitgliedstaaten bereit - inklusive nationaler und europäischer Hilfen könnte der Betrag 500 Millionen Euro Kreditvolumen mobilisieren. Das Geld ist als Kredit, Bürgschaft oder Beteiligungskapital vorgesehen. Ein Unternehmer kann sich auch eine Fortbildung finanzieren lassen.

5. werden die Kredite vergeben?
Die Vergabe soll „unkonventionell" erfolgen - genau definiert ist das nicht. Sicher ist aber, dass der Antragsteller weniger Kriterien erfüllen muss als bei klassischen Bankkrediten. Zum Beispiel muss er keine Sicherheiten vorweisen, um Geld zu bekommen.

6. Ab wann und wo kann man Kredite beantragen?
Im Prinzip ab sofort. EU-Arbeitskommissar Laszlo Andor sagte am Montag, ab Juni werde das Geld bereitstehen. Dabei gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Existenzgründer müssen den Antrag bei einer Bank oder Sparkasse stellen, die ihn dann an die EU weiterreicht. Die Europäische Investitionsbank (EIB) und der Europäische Investitionsfonds stellen die Mittel bereit. Geplant sind auch nationale Kontaktstellen, die die Kreditvergabe koordinieren.

7. Wie wird das Darlehen zurückgezahlt?
Auch das ist noch nicht entschieden. Mikrokredite werden üblicherweise auf eine sozialverträgliche Weise zurückgezahlt - also zu geringen Zinssätzen über lange Zeit. Die EU-Länder müssen ihre Regelungen noch festlegen.

Deutschland


Entscheidung Deutschland stimmte am Montag im EU-Ministerrat gegen den Beschluss, Mikrokredite an Arbeitslose zu vergeben, mit denen sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagen können.

Grund Die Bundesregierung hat bereits einen eigenen Mikrokreditfonds aufgelegt. Dieser hat ein Volumen von insgesamt 100 Millionen Euro. Existensgründer können Kleinstkredite von bis zu 20.000 Euro erhalten.

Quelle:
- Bayerische Rundschau vom 09.03.2010

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