 Nimmermüder Kämpfer für Kulmbach"Geburtstag"
Henry Schramm hat sich mit Hartnäckigkeit und großem Engagement nicht nur zum Oberbürgermeister, sondern auch zu einer maßgeblichen politischen Kraft der Region hochgearbeitet. Am Samstag feiert er 50. Geburtstag.
Dass die Brücke am Mainzusammenfluss bei Katschenreuth unter seiner Amtsherrschaft als OB gebaut worden ist, macht Henry Schramm stolz. Inmitten des Radwegenetzes gelegen, ist sie längst zu einem Touristenmagneten geworden.  Stadtrat, Landtagsabgeordneter, CSU-Stadt- und Kreisvorsitzender, Bezirkstags-Vizepräsident und Oberbürgermeister. Als der Teenager Henry Schramm 1976 gegen 6 Uhr morgens in Tannenwirtshaus eine Stunde auf den Bus nach Kulmbach wartet, um seiner Lehre als Industriekaufmann bei der Spinnerei nachzugehen, kann er eine solche Politkarriere wohl nicht erahnen. Und auch auf dem Heimweg nach Hohenberg, die letzten drei Kilometer zu Fuß, haben ihn sicher andere Perspektiven beschäftigt. „Die Zeiten haben sich geändert“, sagt Schramm. Heute hat er sein Herz verloren an Kulmbach und widmet der Stadt auf dem politischen Weg einen Großteil seines Lebens – sei es beim immer mühsameren Buhlen um Fördermittel, an maßgeblicher Stelle im Klinikum Kulmbach oder als Antreiber für Kultur und Wirtschaft. In Hohenberg aufgewachsen
Mit Schwester Ulrike wächst Schramm im Oberland auf, in einem Zweig der Großfamilie Buß. Sein Vater beim Straßenbauamt, die Mutter bei der späteren „Storchenmühle“ beschäftigt – die Familienverhältnisse sind solide.Der Ehrgeiz, mehr zu erreichen, führt Schramm über die Berufsaufbau- und die Fachoberschule nach der Bundeswehr in Regensburg zum Wirtschaftsstudium. Die Teilnahme am Auswahlverfahren für die gehobene Beamtenlaufbahn beim Bundesgrenzschutz allerdings, bei dem er zu den 44 Erfolgreichen aus 1600 gehörte, führt ihn ab 1983 über Köln und Lübeck zurück in den Staatsdienst – ins Landratsamt Kulmbach, wo er für Sicherheit und Ordnung zuständig ist.
Wenn man etwas ändern will, muss man mitmachen – dieser Satz treibt ihn in den Neunzigern in die Politik. „Es war eine Zeit in Kulmbach, zu der Schwarzweiß-Denken herrschte – das ist nicht mein Ding“, erinnert er sich. Aus kleinen Projekten, bei denen sich Schramm als Politiker einbringt, werden schnell größere. So beispielsweise die Wiederbelebung der Jungen Union. Eben diese jungen Kräfte in der CSU sind es dann auch, die ihn 1999 als politische Alternative zu OB Inge Aures (SPD) auf den Schild heben. Die persönliche Entscheidung für die Kandidatur an einem lauen Sommerabend auf seiner heimischen Terrasse wird ein Jahr später zwar mit 47 Prozent der Wählerstimmen – und damit einer knappen Niederlage gegen die Amtsinhaberin – quittiert. Das jedoch empfinden weder er als Neuling noch die Partei als Beinbruch: „Damals sind Wetten gelaufen, ob ich die 20 Prozent erreiche oder nicht“, erinnert sich Schramm. „Will die Stadt besser übergeben“
Und so etabliert sich der Newcomer endgültig als feste Größe in der Kulmbacher Kommunalpolitik, wird später CSU-Stadt- und Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter. Spätestens nach dem Gewinn der OB-Wahl im zweiten Anlauf Ende 2006 ist Henry Schramm „angekommen“, wie er sagt: Er ist Oberbürgermeister von Kulmbach. Auf den guten Ansätzen aufbauen und die Stadt besser übergeben, als er sie 2007 übernommen hat – so lautet seitdem sein Ziel, das er mit der ihm bekannten Hartnäckigkeit auch verfolgt.
Im harten Geschäft Politik („man ist immer im Wettstreit“) setzt Schramm auf gute Argumente. Dünnhäutig? „Ich gebe zu: Persönliche Angriffe stecke ich so leicht nicht weg“, betont er. Umso mehr freut es ihn, wenn ihm ein Kulmbacher sagt: „Ich habe Sie zwar nicht gewählt, aber man merkt: Sie bemühen sich und kämpfen für uns.“ Zur Politik, da ist sich Schramm sicher, gehören auch Emotionen und Leidenschaft. Hartnäckigkeit und Verlässlichkeit, seine Stärken? „Ich versuche schon, meine Ziele zu erreichen.“ Wer im Gegenzug mit Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit punkte, habe seine Sympathien.
Wenngleich er in der Politik naturgemäß nicht immer die volle Unterstützung erfährt, in der Familie hat er sie: Ehefrau Andrea sowie die Kinder Sebastian, Emelie und Kilian stärken ihm stets den Rücken, zuletzt auch bei seiner schweren Herzkrankheit vor rund einem Jahr. Eine gemeinsame Mahlzeit mit der Familie am Tag gehört deshalb trotz der Termindichte dazu: „Das ist mein größtes Glück.“ Ein Wunsch, der als OB in Kulmbach nun doch einmal einfacher zu erfüllen ist als in München als Landtagsabgeordneter. Auch auf die Pflege von Freundschaften legt Schramm größten Wert. Den Kontakt zu langjährigen Weggefährten hält Schramm durch Telefon und E-Mail aufrecht – zumal sie im ganzen Bundesgebiet verstreut wohnen. Privat hat ihn auch die „Fee“
OB Schramm ganz privat – einen solchen Augenblick kann ansonsten nur noch „Fee“ morgens im Kessel genießen: Der Familienhund treibt ihn regelmäßig noch früher aus den Federn, als es sein müsste. Entsprechend rücksichtslos wird der junge Vierbeiner wohl auch am Samstag sein, wenn Schramm aus Anlass seines 50. Geburtstages ab 11 Uhr in die Dr.-Stammberger-Halle einlädt. Als Oberbürgermeister, Familienvater – und einfach auch nur Henry Schramm.
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 14.05.2010 - Foto: Christian Holhut |  | |  |