Willkommen in Kulmbach - Die Markgrafenstadt mit Flair & der heimlichen Hauptstadt des Bieres
Kulmbach - Die Markgrafenstadt mit Flair

Spaziergang in den Bauch des Burgbergs

"Geschichte"

Erich Olbrich will die historischen Kulmbacher Keller der Öffentlichkeit zugänglich machen.


Erich Olbrich will die historischen Kulmbacher Keller der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Eingang in die Unterwelt: Auch dieser Keller am Festungsberg soll ab Mai in die Führungen einbezogen werden. Ein spannendes Thema – das meint auch Markus, der seinen Opa Erich Olbrich bei diesen Führungen sicher öfter begleiten wird.

Er darf mit Fug und Recht von sich behaupten, der Experte für die Kulmbacher Unterwelt zu sein: Wohl kaum jemand kennt die Keller und unterirdischen Gänge der Kulmbacher Altstadt so gut wie er. Ab Mitte Mai will Erich Olbrich Neugierige regelmäßig mitnehmen auf einen Spaziergang tief in den Bauch des Burgbergs hinein.

Olbrich, der als Stadtführer, Nachtwächter und Autor von Diavorträgen schon viele Fans gewonnen hat, die seine lebendige Art schätzen, aus der Kulmbacher Stadtgeschichte zu erzählen, hat in den letzten Monaten viele Keller erkundet und dabei ganz erstaunliche Entdeckungen gemacht – bis hin zu der, dass man sich, so ganz ohne Tageslicht und Lageplan, fast schon ein wenig verlaufen kann in jenen Gängen, die unsere Vorfahren vor vielen hundert Jahren angelegt haben.

Baumaterial aus dem Burgberg


Mit seinem Vorhaben, die Keller im Rahmen von Führungen zugänglich zu machen, hat er eine Anregung von Oberbürgermeister Henry Schramm aufgegriffen. „Ihm und mir ist es ein Anliegen, diese wichtigen Zeugnisse der Kulmbacher Stadtgeschichte nicht nur zu erhalten, sondern sie den Menschen auch nahe zu bringen.“

83 Felsenkeller sind im Städtischen Bauamt aufgelistet. „Sicher gibt es aber noch eine ganze Reihe mehr“, vermutet Olbrich. Viele der Keller dürften in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden sein – nach dem wohl schwärzesten Tag in der Stadtgeschichte, dem Konraditag 1553. An jenem 26. November hatten die überwiegend aus Holz gebauten Häuser in den verwinkelten Gassen dem Beschuss der Bundesständischen nicht mehr standhalten können: Die gesamte Stadt ging in Flammen auf.

In der Folge erließ der Markgraf Georg Friedrich, der auch den Wiederaufbau der Plassenburg veranlasste, all jenen einen Teil der Steuern, die ihre Häuser aus Stein statt aus Holz bauten.

Steine von weit her zu transportieren war teuer. Aber die Kulmbacher waren erfinderisch: Sie gruben sich ihr Baumaterial Meter für Meter aus dem Sandstein des Burgbergs – weshalb man heute noch von Sand- oder Steinkellern spricht. Diese dienten den Menschen dann vor allem zur Vorratslagerung.

Lager für weltberühmtes Bier


Jene tiefen Keller, in denen rund ums Jahr eine gleich bleibende Temperatur herrschte, waren es in Verbindung mit dem guten Quellwasser der Region auch, die es den Kulmbacher Brauern ermöglichten, eine exzellentes Bier zu brauen, das bald Weltruhm erlangte.

Mit der Entwicklung der Kältemaschine durch Carl-von-Linde, einem gebürtigen Berndorfer, wurden viele der Keller überflüssig. Manche verfielen, wurden abgemauert, als Abfall-Lager gebraucht oder einfach zugesperrt.

Erich Olbrich hat in den zurückliegenden Jahren viele solcher alter Keller erkundet. Zum „Tag des offenen Denkmals“ im vergangenen September bot er erstmals eine Führung in die Kulmbacher Unterwelt an undwar selbst höchst überrascht von der riesigen Resonanz. Weit über hundert Menschen kamen. „In einige kleine Keller konnten wir deshalb gar nicht hineingehen“, erinnert sich Olbrich.

Nun will er noch mehr Menschen die Möglichkeit geben, eine bislang unbekannte Seite der Stadt kennenzulernen. Etwa ab Mitte Mai soll es regelmäßig zweimal im Monat eine Kellerführung geben, zu buchen über die Stadthalle und beschränkt auf jeweils 25 Teilnehmer. Die werden mit Taschenlampen ausgerüstet und nicht nur von Erich Olbrich, sondern auch von einem Braumeister begleitet, der während des etwa 90-minütigen Rundgangs einige Geheimnisse seiner Zunft preisgeben wird.

Erkundet werden sollen dabei die Keller unter dem Röthleinsberg und am Festungsberg. Ein Teil der Keller wird derzeit sauber gemacht. Sie sind fast alle im Besitz der Stadt. Aber Erich Olbrich hofft, dass sich auch noch Privatleute finden, die bereit sind, ihre Keller für Neugierige zu öffnen – und diese damit teilhaben zu lassen an einem bedeutenden Stück Stadtgeschichte.

Gibt es den geheimen Gang zur Burg?


Zu entdeckenwird es vieles geben. Vielleicht auch den legendären Geheimgang zur Plassenburg? „Nein“, schmunzelt der Keller-Kenner. „Den gibt es wohl nicht. Da ist schon viel gesucht und erforscht worden…“

Aber wer kann schon sagen, dass dabei auch wirklich alles gefunden wurde? Wie sagt Olbrich selbst: „Sicher gibt es noch eine ganze Reihe mehr…..“

Quelle:
- Bayerische Rundschau vom 22.02.2010
- Foto: Katrin Geyer

www.infranken.de