 Spielwiese für kreative Köpfe"Freizeit-Tipp"
Der Verein Focus Europa lädt zu den Sommerkunstwochen nach Kulmbach ein. Bis August können interessierte Laien in 13 verschiedenen Workshops von Meistern ihres Fachs lernen.
Franz hat einen kleinen Kopf und lebt auf großem Fuß. Jutta Lange hat ihre originelle Stele aus dem Steinbildhauer-Workshop ins Herz geschlossen.  Er hat einen etwas zu kleinen Kopf, nur einen Fuß, ein Herz aus Stein – und trotzdem ist Franz ein kluges Kerlchen, denn er weiß, dass er nicht vollkommen ist. Franz ist eine Skulptur, die den Eingang zu einem Grundstück am Siechengrund bewacht. Hier wohnt Jutta Lange, Projektleiterin der Sommerkunstwochen, die der Verein Focus Europa heuer zum zweiten Mal in Kulmbach veranstaltet.
Die 61-Jährige ist nicht nur die Organisatorin der Kunstworkshops, sondern auch selbst begeisterte Teilnehmerin. Franz ist das Ergebnis des letztjährigen Steinbildhauerkurses – und das Produkt einer Serie von Versuchen und Irrtümern. „Geplant hatte ich eigentlich eine Stele für den Garten, auf der oben eine kleine Katze sitzen sollte. Beim Arbeiten hat sich gezeigt, dass die Katze viel zu klein werden würde.“ So wurde ein Kopf aus dem obersten Stück. „Bei den Füßen war es dann so ähnlich. Für zwei Füße reichte das Material nicht, aber es hat unheimlich viel Spaß gemacht, diesen einen Fuß anatomisch korrekt zu formen.“
Dass aus der ursprünglichen Idee etwas anderes wurde als geplant, stört die Hobby-Künstlerin nicht: „Man darf sich nicht zu sehr an seinen Entwurf klammern, sondern muss sich dem Stein anpassen“, hat sie im Kurs gelernt. „Und es ist schon erstaunlich, wie schnell man das räumliche Sehen trainiert und erkennt, was man aus dem Stein machen kann.“ Das Rehberchgerchla aus Keramik fühlt sich Garten wohl.  A glaans Zuuzlmännla
Jutta Lange hat die Bildhauerei so viel Freude gemacht, dass sie sich für dieses Jahr wieder angemeldet hat. Und auch beim Kurs Keramikkunst wird sie wieder dabei sein. Da ist im vergangenen Jahr ihr „Rehberchgerchla“ entstanden, eine knubbelige Figur mit dickem Bauch und wirren Haaren, die dem Franz gegenüber ihren Platz im Garten gefunden hat – „a glaans Zuuzlmännla mit gruußa Quadratloodschn“, so beschreibt die Schöpferin das Wesen in einem Gedicht über das Gerchla.
„Das Schöne an den Workshops ist, dass man mehrere TageZeit hat, sich mit Genuss einer Arbeit zu widmen“, schwärmt Jutta Lange, „und die Dozenten sind Künstler, die ihr Handwerk vermitteln können und den Teilnehmern gerne ihre Techniken beibringen“.
Kunst als Freizeitbeschäftigung für interessierte Laien, die von Meistern ihres Fachs lernen wollen – das ist das Konzept der Sommerkunstwochen von Mai bis August. „Alle unsere Kurse stehen jedem Kunstbegeisterten offen“, betont Lange. „Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, die Freude an der Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema reicht als Voraussetzung völlig aus.“ Für jeden Geschmack
Das Programm der Kulmbacher Kunstwochen ist so vielfältig, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Altmeisterliche Schichtenmalerei in Öl kann man ebenso lernen wie Stein- und Holzbildhauen, Märchen schreiben, Portraitzeichnen, Kalligraphie und experimentelles Drucken – das meiste davon in historischen Ambiente. Der Langheimer Amtshof, das Badhaus und das Burggut bieten optimale Rahmenbedingungen für die Kunstworkshops. „Diese Umgebung ist sehr inspirierend“, findet Jutta Lange, die sich wünscht, dass viele Kunstbegeisterte aus der Region sich trauen und die Chance nutzen.
Sie selbst wird sich wiede rmit Keramik und Steinbildhauen beschäftigen. Welche Projekte hat sie sich vorgenommen? „Beim Steinbildhauen auf jeden Fall wieder ein Figur – nur zu groß und schwer darf sie nicht werden, damit ich sie auch bewegen kann.“ Konkreter sind Langes Vorstellung für den Keramik- Workshop: „Ich möchte gerne einen Alltagsgegenstand täuschend echt imitieren, eine Handtasche vielleicht, die aussieht, als wäre sie aus Leder.“
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 06.05.2011 - Fotos: Dagmar Besand |  | |  |