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Vielfalt in fließenden Grenzen

"Tag der Franken"

Den Gedenktag am 2. Juli gibt es seit 2006. In diesem Jahr wird in Kulmbach gefeiert. Der Bezirk Oberfranken, die Stadt und der Landkreis arbeiten dabei als Partner zusammen.

Was ist Franken? Im Vorfeld des „Tags der Franken“ suchte die Bayerische Rundschau im Gespräch mit Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold nach einer griffigen Definition.

Was ist eigentlich Franken? Vier Wochen vor dem „Tag der Franken", der am ersten Juli-Wochenende in Kulmbach begangen wird, scheint diese Frage berechtigt.
Die Suche nach einer Antwort führt unter anderem zu einem kurzweiligen und amüsanten Gespräch mit Professor Dr. Günter Dippold, Bezirksheimatpfleger und einer der vielen kreativen Köpfe des großen Ereignisses - nicht aber zu einer knappen griffigen Definition. Eher zu einer Auflistung all dessen, was Franken nicht ist: Kein einheitliches geographisches Gebiet, kein einheitlicher Sprachraum, kein homogenes politisches Gebilde.

 

Kein typischer Franke

Die Distanz zwischen dem rauen Fichtelgebirge und dem sanften Hügelland zwischen Steigerwald und Spessart, zwischen dem Thüringer Schiefergebirge und der Frankenalb ist größer, als sie sich in Fluss- oder Straßen-Kilometern messen lässt. Das Nordbairisch, wie es in der Grenzregion zur Oberpfalz gesprochen wird, hat wenig zu tun mit dem Rheinfränkisch am Untermain, und der Hausbrauer in der „Fränkischen" hat ebenso wenig gemein mit dem Winzer aus dem Julius-Spital wie die Kulmbacher Bratwurst mit der aus Coburg oder Nürnberg.
Gemäß dieser Definition gibt es auch nicht den „typischen Franken", wohl aber einen Menschenschlag, der sich, zum Beispiel, abhebt vom immer etwas polternden „Mia-san-mia"-Gehabe der Nachbarn im Süden Bayerns. „Die Sprüchgoschn-Identifikation liegt dem Franken nicht", sagt Dippold, der seinen Landsleuten in dieser Hinsicht ein gewisses Understatement bescheinigt, das durchaus auch in emotionalen Angelegenheiten spürbar ist - man denke nur an das verbreitete „bassd scho", das, je nach Tonfall, durchaus als kaum zu steigernder Superlativ zu verstehen ist.

Der Franke, so viel steht dann doch fest, bewegt sich also in einer Region mit fließenden Grenzen und wechselnden Charakteristika, die sich weit über den Landstrich „von Bamberg bis zum Grabfeldgau" hinaus erstreckt. „Und dort, wo die Schnittmenge ausreichend groß ist", sagt Dippold, „da ist Franken".

 

Historische Wurzeln

Weil es bisweilen aber doch einer klaren Beschreibung bedarf, hat man sich darauf verständigt, Franken mit dem Gebiet der drei fränkischen Regierungsbezirke gleichzusetzen. Eine Definition, die zwar, geht man länger zurück in die Geschichte, ebenso willkürlich ist wie alle anderen - aber immerhin praktikabel.
Seit 2006 begehen die drei Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken alljährlich in zeitlicher Nähe zum 2. Juli den „Tag der Franken". Der wiederum geht auf einen Landtagsbeschluss vom Mai 2006 zurück. Erinnert wird damit an die Neuordnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation auf dem Reichstag in Augsburg im Jahr 1500, die zur Gründung von Reichskreisen führte.

Der Fränkische Reichskreis, der dabei entstand und der bis zu 27 unterschiedliche Herrschaftsgebiete vereinigte, hatte bis zum Ende des Reiches 1806 Bestand. Seine Grenzen entsprachen nicht unbedingt denen des heutigen Franken, und auch sie waren teils willkürlich gezogen. Aber der Reichskreis und seine Geschichte liefern immerhin einen historisch belegbaren Anhaltspunkt.

 

Umfangreich wie nie zuvor

Nach Nürnberg, Bamberg, Miltenberg und Bad Windsheim ist in diesem Jahr Kulmbach Austragungsort des „Tags der Franken". Ausrichter ist der Bezirk Oberfranken, der sich für die Veranstaltung die Stadt und den Landkreis Kulmbach als Partner ins Boot geholt hat. Ob es daran liegt, dass damit viele kreative Köpfe mitwirken an einem umfassenden Programm, oder ob auch eine Idee wie die vom Tag aller Franken erst wachsen und reifen muss - das Programm für die Festtage jedenfalls ist umfangreich wie nie zuvor.
Angesprochen werden sollen Traditionalisten und Trendsetter, Freunde von Kultur und Kulinaristik, junge Leute und Menschen gesetzteren Alters. Mit Thomas Gottschalk, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg oder Starkoch Alexander Herrmann bieten die Macher gewissermaßen die „Vorzeigefranken" auf. Gruppen aus dem Raum Kulmbach werden sich mit Tanz, Musik oder Theater von eher bodenständiger Ausrichtung präsentieren; der Bayerische Rundfunk als Partner übernimmt ein großes Show- und Musik-Programm.

 

„Ein Bürgerfest"

Tradition und Brauchtum spiegeln sich im Anschießen der Böllerschützen, in einem mittelalterlichen Markt oder im längsten Kerwa-Umzug aller Zeiten, zu dem Hunderte von Teilnehmern erwartet werden. Und weil der Franke nicht nur traditionalistische Nabelschau betreibt, sondern auch über die Grenzen seines rot-weißen Horizonts hinausblickt, soll - eine deutsche Beteiligung vorausgesetzt - auch das WM-Viertelfinale ins Programm integriert werden.
„Ein fränkisches Bürgerfest" schwebt Dippold vor. Außenwirkung ist dabei durchaus gewünscht: „Wir wollen nicht uns selbst feiern, sondern das fränkische Lebensgefühl demonstrieren."


Quelle:
- Bayerische Rundschau vom 05.06.2010
- Foto: Jürgen Gärtner

www.infranken.de
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