 Wenn das Ich den Boden putzt"Kultur"
Bei der 81. Jahresausstellung des Bundes Fränkischer Künstler auf der Kulmbacher Plassenburg treffen moderne und traditionelle Kunstformen aufeinander.
Die Münchner Performancekünstlerin Dorothea Seror brachte die Besucher – hier Vorsitzender Horst-Hermann Hofmann vom Kunstverein Kulmbach (rechts), Ehrenbürger Hans-Albert Ruckdeschel (links) und seine Frau Margit (Zweite von rechts) – mit ihrer Vorführung „Mein Ich putzt“ zum Staunen.  Das aktuelle Kunstschaffen in seiner ganzen Bandbreite präsentiert die 81. Jahresausstellung des Bundes Fränkischer Künstler, die gestern auf der Plassenburg eröffnet wurde. Insgesamt 168 Exponate von 68 Künstlern aus Franken und darüber hinaus sind bis zum 31. August in der Großen Hofstube zu sehen (täglich geöffnet von 10 bis 17 Uhr).
Im Rahmen der Vernissage wurde erstmals der Fränkische Kunstpreis vergeben. Das Motto des Kunstwettbewerbs, aus dem Peter Schmidt aus Asperg als Sieger hervorging und der alle drei Jahre vergeben werden soll, lautete „Fremde – Freunde“. Die Künstlerinnen und Künstler zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Techniken „Menschen im Hier und Jetzt zwischen Individualitätssuche und globaler Anpassung“, sagte der Kunsthistoriker Dr. Harald Tesan. Insgesamt 95 Kunstwerke seien für den Preis nominiert worden. Bewusst widersprüchlich
Was an dem Titel des Wettbewerbs auffällt, ist seine Widersprüchlichkeit, die nach Aussage Tesans bewusst gewählt wurde. „Sie soll zum Überdenken gewohnter Positionen auffordern“, betonte er. „Die eingereichten Kunstwerke eröffnen in ihrer Dialektik ein weites Spektrum an Assoziationen.“ Sie reichen von Emigration, innerem Exil, Krieg, Vertreibung, über Wirtschaftsflucht und Gastarbeit bis hin zu touristischen Aspekten, die sich mit der modernen Freizeitgesellschaft verbinden, so der Experte. Es seien Faktoren, wie sie das Leben der Franken geprägt hätten und auch weiterhin prägen. In einen Hort der fränkischen Kunst hat sich die Große Hofstube auf der Plassenburg verwandelt. Zahlreiche Kunstliebhaber besuchten die 81. Jahresausstellung des Bundes Fränkischer Künstler, die gestern eröffnet wurde. Im Vordergrund zu sehen ist eine Arbeit von Georg Behninger aus Nürnberg, genannt „Im Boot“, die viele Blicke auf sich zog. Die moderne Kunst, aber auch Exponate rund um das Thema „Fremde – Freunde“, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, die bis 31. August zu sehen ist.  Zudem sucht die Ausstellung die Auseinandersetzung mit der modernen Kunst, die sich in Videoarbeiten, Fotografien, Installationen und einer spektakulären Performance widerspiegelt. Letztere sorgte bei der Eröffnung für viel Aufsehen. Unter dem Motto „Mein Ich putzt“ entstieg die in Putzlappen gehüllte Münchner Künstlerin Dorothea Seror einer Badewanne. Zwischen den Besuchern herumrobbend, wienerte sie den Museumsboden.
Freunde traditioneller Kunstformen können sich an zahlreichen Gemälden erfreuen. Den Landkreis Kulmbach vertreten Gudrun Grosser, Rose M. Meerwein, Cornelia Morsch, Ursula Wolf (alle Kulmbach) und Ursula Opitz-Böhm (Himmelkron). Wolf, Grande Dame der Kulmbacher Kunstszene, beispielsweise ist mit ihrem beeindruckenden Gemälde „Das zweite Gesicht“ vertreten.
Eine Sonderausstellung widmet sich dem kreativen Schaffen von Erhard Schütze aus Memmelsdorf, der heuer seinen 75. Geburtstag feierte.
Im Beisein von Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, Regierungspräsident Wilhelm Wenning und Landrat Klaus Peter Söllner hoben Oberbürgermeister Henry Schramm und Vorsitzender Reinhard Bienert vom Bund Fränkischer Künstler das gute Miteinander zwischen der Stadt und dem Verein hervor, der seit 1929 seine Jahresausstellung auf der Plassenburg veranstaltet.
Das künstlerische Rahmenprogramm konnte sich sehen und hören lassen: Das Papiertheater Nürnberg verzauberte mit einer ungewöhnlichen Aufführung, das Querflötenensemble der Städtischen Musikschule mit lieblichen Melodien.
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 05.07.2010 - Fotos: Stephan Stöckel |