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Wie kommt der Wal auf die Burg?

"Ausstellung"

Das Landschaftsmuseum zeigt Kunst und Kuriosa aus den Depots.


Manchmal weiß auch Museumsleiterin Astrid Fick nicht weiter: Da tauchte bei Inventarisierungsarbeiten im Landschaftsmuseum Obermain ein großes, unregelmäßig geformtes Ding auf, das sich bei näherer Betrachtung als Wirbelknochen eines Wales entpuppte. Wo das Ding herkommt? Wie es auf die Plassenburg gelangt ist? Das bleibt wohl ewig ein Rätsel.

Auch andere merkwürdige Dinge finden sich im Depot des Museums. Zu sehen sind rund 200 davon zur Zeit in der großen Hofstube der Plassenburg in einer Ausstellung, die gestern eröffnet wurde. Ein Sammelsurium präsentiert sich dem Besucher dort oben, eine Ausstellung ohne den sonst üblichen „roten Faden“. Aber eine, die schön anzuschauen ist, manche Geschichten liefert – und die Phantasie anregt.

Wer hat den Wal-Wirbel auf die Burg gebracht? Wer hat einst das metallene „Liebesbarometer“ aus Metall bei sich getragen? Welche kleine Kulmbacherin hat mit dem alten Puppenherd gespielt und welche Schönheit hat im Barock in den roten Seidenschuhen getanzt – und vor allem mit wem?

Fragen, die sich auch Astrid Fick und ihre Mitarbeiter in den letzten Monaten oft gestellt haben. Seit April 2009 läuft im Landschaftsmuseum Obermain ein Projekt zur Inventarisierung der Sammelstücke in den Depots. Unzählige Kisten und Kartons müssen dafür geöffnet werden. Viele davon stammen aus den Anfangszeiten des Luitpoldmuseums, das im Jahr 1910 gegründet worden war und dessen Sammlungen dann später in die des Landschaftsmuseums Obermain überführt wurden.

Die Fundstücke werden beschrieben, vermessen und katalogisiert. Vieles kommt dabei ans Tageslicht, was unter kunsthistorischen Aspekten von nur mäßigem Wert ist, – aber viel erzählen kann aus der Stadtgeschichte.

So wird in der Ausstellung gezeigt, wie die Kulmbacher Spinnerei für sich und ihre Produkte geworben hat. Lange vor der Erfindung der werbeträchtigen Internet-Seite werden da etwa in einem Schaukasten verschiedene Baumwollsorten vorgestellt und es wird geschildert, wie sie zu hochwertigen farbigen Garnen verarbeitet werden.

Bilder, Bücher, ein gehäkelter Geldbeutel aus feinstem Garn oder ein paar eiserne Schlittschuhe erinnern an die Geschwister Gummi, die stets große Gönner der Stadt gewesen sind.

Aus der Zeit, als die Plassenburg ein Gefängnis war, stammen Alltagsgegenstände, die die Gefangenen angefertigt haben: Spielkarten und Würfel zum Zeitvertreib, hölzernes Besteck oder Schuhe aus Holz und Stroh, die ahnen lassen, welch grimmige Kälte die Gefangenen ertragen mussten.

Vieles von dem, was die Mannschaft um Astrid Fick in Vitrinen und an Wänden zur Schau stellt, stammt aus privaten Nachlässen oder Schenkungen. So etwa eine Sammlung von Puppen, die die 1964 gestorbene Kulmbacherin Toni Labitzky mit viel Liebe zum Detail gestaltet hat: Lediglich Torso und Kopf der Figuren hat sie gekauft, die Perücken und die elegante Kleidung hingegen selbst hergestellt.

Auch für die Generation von MP3-Player und iPod wird ein Fundstück aus den Anfängen der „Konservenmusik“ für Interesse sein: Im Museum hat sich ein so genanntes Symphonium erhalten, mit dem mittels metallener Walzen Musik erzeugt wurde.

Ohnehin ist der Teil der Ausstellung, der Einblick in ein Stück Technik-Geschichte gibt, besonders reizvoll. Üppig bestückt: Der Überblick über das Kulmbacher Telefonwesen. Hier hat die Sammlung von Rainer Riedel die Ausstellung ganz wesentlich bereichert: Apparaturen aus 120 Jahren hat er zusammengetragen, darunter auch die Telefone, die in der Kulmbacher Limmersmühle seinerzeit im wahrsten Sinne des Wortes das Telefonzeitalter einläuteten.

Auch in dieser technischen Abteilung findet sich viel (Ingenieurs-) Kunst. Fahrräder aus verschiedenen Epochen etwa, darunter auch ein Hochrad, das Geschwindigkeiten bis zu 40 Stundenkilometern möglich, eine Reise allerdings auch zu einem gefährlichen Unterfangen machte.

Und dann gibt es noch die echten Kuriosa: Einen beleuchtbaren Stopfpilz zum Beispiel. Ein Exponat zu dem Astrid Fick die durchaus interessante Bemerkung beisteuern kann, dass auch Konrad Adenauer in jungen Jahren einmal Ähnliches erfunden hat, mit der Anmeldung zum Patent dann aber gescheitert ist. Und sich vielleicht deshalb – mit weit mehr Erfolg – vom Erfinden auf die Politik verlegte.

Kunst und Kuriosa


Öffnungszeiten Die Ausstellung „Kunst und Kuriosa" ist bis zum 12. Februar im Landschaftsmuseum Obermain auf der Plassenburg zu sehen. Geöffnet täglich von 10 bis 16 Uhr.

Exponate im „fritz" Wer sich schon einmal auf die Ausstellung einstimmen will, findet im „fritz"-Einkaufszentrum derzeit eine Ausstellung im Kleinen vor.

Quelle:
- Bayerische Rundschau vom 19.12.2011
- Fotos: Katrin Geyer

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