 Zinnfiguren-Börse: „Hier kommt einfach jeder her“"Internationales Treffen"
Von heute bis zum Sonntag bevölkern Sammler und Händler den Bierstadel.
Mit Weihnachtsmännern in allen Variationen hat Jorge Arau seinen Stand dekoriert.  Bei Jorge Arau ist schon Weihnachten. Im sommerlichen Polohemd steht er zwischen verschneiten Tannen, Auge in Auge mit zahllosen Weihnachtsmännern zu Fuß, auf dem Schlitten oder im Auto - und wischt sich ein paar Schweißtropfen von der Stirn. Was Jorge Arau zum Schwitzen bringt, ist die sommerlich-schwüle Luft im Kulmbacher Bierstadel, in der er gerade eine winterliche Szenerie aufbaut. Arau ist Zinnfiguren-Händler - einer von rund 180, die zur 22. Deutschen und Internationalen Zinnfigurenbörse in Kulmbach angereist sind. Militärisches mit historischem Vorbild
Am Donnerstagnachmittag werden im Bierstadel noch Kartons geschleppt und Vitrinen dekoriert. Aber auch die ersten Besucher schieben sich schon an den Verkaufsständen vorbei. Wer genau hinhört, vernimmt etliche fremde Sprachen - das Publikum ist international. „Hier treffen sich Sammler aus der ganzen Welt", berichtet Arno Rosenthal, ein Händler aus Nürnberg, der die Firma Studio Miena aus St. Petersburg vertritt. Rosenthal kommt seit 14 Jahren zur alle zwei Jahre stattfindenden Kulmbacher Zinnfigurenbörse - eben weil er hier mit einem internationalen Publikum rechnen kann.
Das Geschäft lohnt sich, sagt er. Die Sammler schätzen die Figuren aus russischer Produktion, die ausschließlich historischen Vorbildern nachempfunden sind. Militärisches dominiert - so, wie die klassische Zinnfigur einst ja auch in Soldatenform daherkam. „Ziviles Kunstgewerbe"
Jorge Arau hingegen hat, wie er selbst sagt, vor allem „ziviles Kunstgewerbe" im Angebot. Neben der erwähnten Weihnachtsmännern sind das Märchenfiguren oder Blumenmotive, Bäume mit und ohne Schnee, fein gearbeitete Medaillons oder dreidimensionale Engelsfiguren. Ungefähr 1000 verschiedene Modelle hat die Zinnfiguren-Manufaktur Wilhelm Schweizer aus Dießen am Ammersee im Programm. Etwa die Hälfte davon hat Jorge Arau mit nach Kulmbach gebracht - in vielfacher Ausfertigung natürlich. Und deshalb gibt es am Stand des traditionsreichen Unternehmens, in dem seit über 200 Jahren Zinnfiguren gegossen und bemalt werden, wenige Stunden vor der Eröffnung der Börse noch eine Menge zu tun, bevor die Sammler eintreffen, die sehr konzentriert nach Kostbarkeiten suchen, um ihre Sammlung zu komplettieren.
Auf die Zufallskunden, die etwas einfach deshalb kaufen, weil es schön anzusehen ist, setzt hingegen Bettina Süßmeier, die einige Meter weiter letzte Hand an die Dekoration ihres Stande legt. Die zierliche Frau kommt aus Raisting in Oberbayern. Vor 15 Jahren, so schätzt sie, war sie das erste Mal in Kulmbach. Und kommt seither immer wieder zur Zinnfugrenbörse, um hier ihre selbst hergestellten und bemalten Figuren und Figürchen zu verkaufen. „Kulmbach ist einfach die wichtigste Börse", begründet sie das. „Hier kommt jeder her."
Ein besonderes Programm hat das Ein-Frau-Unternehmen nicht. Verkauft wird, „was mir gefällt": Ein kleiner grauer Esel oder eine Gans mit Hut, Mäuschen, Zauberer und farbenfrohe Drachen. „Die Zinn-Soldaten werden mehr von den älteren Herren gekauft", weiß Bettina Süßmeier. „Meine Kundschaft - das sind mehr die Frauen und die Kinder."
Quelle: - Bayerische Rundschau vom 07.08.2009 - Foto: Katrin Geyer |  | |  |