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„Unser Ruf wird gehört“ – Sommerinterview mit Kulmbachs Oberbürgermeister Ingo Lehmann

Der Bahnhof-Umbau nimmt Fahrt auf, bald folgen neue Großprojekte.

Im Sommerinterview spricht Kulmbachs Oberbürgermeister Ingo Lehmann über die weitere Stadtentwicklung und den Brückenschlag zwischen Modernisierung und städtebaulichem Erbe.

 

Der Stadtrat macht Pause bis Ende September. Herr Oberbürgermeister, nehmen Sie sich Zeit zum Durchatmen?

Sicher, nach dem Bierfest geht es im Ferienmonat August in Kulmbach ja traditionell etwas ruhiger zu. Aber allzu viel Zeit zum Ausspannen bleibt nicht. Die zweite Jahreshälfte hat schon wieder richtig Fahrt aufgenommen.

 

Wie zufrieden sind Sie bisher mit dem Jahr 2025? 

Wir haben in Kulmbach schon viel auf den Weg gebracht. Ich denke da an die zusätzlichen Plätze für die Kinderbetreuung, an die Baustellen zur Sanierung unserer Infrastruktur und an den Start des Grünen Zentrums. Obwohl die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen alles andere als einfach sind, bin ich mit der Entwicklung zufrieden.

 

Welches Ereignis war für Sie im laufenden Jahr das wichtigste?

Natürlich ist die Kulmbacher Bierwoche unser Höhepunkt im Veranstaltungskalender. Die größte Freude war für mich aber vor ein paar Tagen eine Vertragsunterschrift. Damit haben wir den barrierefreien Ausbau unseres Bahnhofs besiegelt. Die Vereinbarung zwischen Stadt Kulmbach und Freistaat Bayern ist unterzeichnet.

 

Was heißt das genau?

Das heißt, dass wir nach einem jahrzehntelangen Kampf endlich unser großes Ziel erreichen werden. Der Kulmbacher Bahnhof wird saniert und modernisiert. Die Deutsche Bahn wird im Rahmen des bayerischen Aktionsprogramms den Bahnhof barrierefrei umgestalten, damit alle Reisenden problemlos in den Zug steigen können. Wir haben gegenüber der Bahn nie lockergelassen und als Stadt unsere Bereitschaft signalisiert, dass wir mit der Planung für den Ausbau in Vorleistung gehen. Damit hat der Kulmbacher Stadtrat das entscheidende Zeichen gesetzt. Wir freuen uns auf eine verbesserte Aufenthaltsqualität und eine Modernisierung unserer Verkehrsinfrastruktur. Vielen Dank an alle Verantwortlichen und an alle Fraktionen und Abgeordneten. Nur dank der breiten Unterstützung war das möglich.

 

Was bedeutet der Ausbau des Bahnhofs für die weitere Entwicklung der Stadt Kulmbach?

Der Bahnhof spielt eine Schlüsselrolle. Nicht nur mit Blick auf die Bedeutung des Schienenverkehrs, sondern als Verkehrsknotenpunkt für die gesamte Stadtentwicklung. Der Kulmbacher Bahnhof liegt als nachhaltiges Zukunftsprojekt in der Mitte unserer städtischen Entwicklungsachse. Wir stehen in Kulmbach vor der größten stadtplanerischen Herausforderung seit den 1950er-Jahren. Entlang des Weißen Mains entstehen von West nach Ost neue Ankerpunkte. Vom Universitäts-Campus mit der neuen Verkehrstangente gibt es neue Anbindungen an den Omnibusbahnhof, an das Spinnereigelände und an den Bahnhof. Direkt im Anschluss entwickeln wir das Gasfabrikgässchen mit dem Kaufplatzgelände und dem renaturierten Flusslauf als Kulmbachs neue Mitte.

 

Das sind viele Veränderungen. Werden wir in Zukunft Kulmbach überhaupt wiedererkennen?

Ja, unbedingt. Wir dürfen bei den vielen Neuerungen nie vergessen, was unsere schöne Heimatstadt Kulmbach so lebens- und liebenswert macht. Wir wollen unser Erbe immer schützen und gleichzeitig die Stadt behutsam und mit dem richtigen Augenmaß weiterentwickeln. Die historische Altstadt ist wunderschön und die städtebauliche Struktur vom Mittelalter bis ins Zeitalter der Industrialisierung ist ein Erlebnis. Was wir brauchen, ist ein Brückenschlag zwischen Modernisierung und städtebaulichem Erbe.

 

Wie ist dieser Brückenschlag möglich?

Wir wollen mit einer neuen Satzung für unsere Kulmbacher Altstadt mit Hilfe des Denkmalschutzes die wunderschöne Baustruktur bewahren. Mit der geplanten Baugestaltungssatzung haben wir zum ersten Mal in der Geschichte eine verbindliche Vorgabe, die allen Interessierten und insbesondere den Bauwilligen umfassende Informationen zur Gestaltung im Altstadtbereich an die Hand gibt. Der Stadtrat wird sich in der kommenden Sitzung mit dem Thema befassen. Unser Ziel muss es sein, dass sich die Stadt im Jahr 2035 zum großen Jubiläum „1000 Jahre Kulmbach“ von seiner besten Seite zeigt. Dazu gehört es auch, die Häuser in Schuss zu bringen.

 

Gibt es finanzielle Anreize, damit die privaten Häuser saniert werden können?

Diese Anreize müssen wir schaffen. Ich habe dem Stadtrat vorgeschlagen, dass wir über die Altstadtsatzung hinaus einen kommunalen Fonds auflegen. Das Geld hilft den Eigentümerinnen und Eigentümern, die Fassaden ihrer Häuser zu erneuern. Andere Städte haben das bereits erfolgreich umgesetzt.

 

Hat die Stadt Kulmbach dafür denn die finanziellen Möglichkeiten?

Es ist kein Geheimnis, dass die Stadt Kulmbach wie viele Kommunen an ihre finanziellen Grenzen stößt. Die Städte und Gemeinden tragen einen erheblichen Anteil der staatlichen Ausgaben. Wir investieren in Schulen und Kinderbetreuung, Straßen, Wasserversorgung, Hochwasserschutz und Brandschutz. Aber wir wollen über die Pflichtaufgaben hinaus eine attraktive Stadt, in der sich alle Menschen wohlfühlen und in der es Angebote für alle Generationen gibt. Von den Freizeiteinrichtungen über bezahlbare Wohnungen bis zur Energiewende hat die Stadt viel zu schultern. Wir fordern deshalb dringend die Unterstützung vom Freistaat Bayern und ebenso vom Bund.

 

Ist der Ruf nach Unterstützung laut genug?

Wir haben die Hoffnung, dass die Bundesregierung die Lage der Kommunen verstanden hat. Unser Ruf wird gehört. Die Kommunalmilliarde ist ein positives Signal. Das Sondervermögen des Bundes kann uns helfen, hier vor Ort mehr zu investieren und den Standort zu stärken. Eine leistungsfähige Kommune und eine starke heimische Wirtschaft gehen Hand in Hand. Da gibt es Parallelen zum barrierefreien Ausbau des Bahnhofs. Wir schaffen die großen Vorhaben nur, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Die Herausforderungen sind sehr vielfältig. Es braucht Teamgeist. Wir müssen alle Kräfte bündeln zum Wohle unserer schönen und liebenswerten Heimatstadt Kulmbach.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Kulmbach
Fr, 15. August 2025

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