Willkommen in Kulmbach - Die Markgrafenstadt mit Flair & der heimlichen Hauptstadt des Bieres
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Michel Weiß

Michel Weiß

Der Maler

Michel Weiß ist in dem familieneigenen Fachwerkbau aufgewachsen, dem man einen geheimen Zauber förmlich ansieht.
Der Maler arbeitete hier bis zum Lebensende. Die schöne Fassade mag schon dem Jüngling den Urbegriff abgegeben haben für alle Architektur.
Er war vom unantastbaren Wert der städtebaulichen Substanz Alt-Kulmbachs überzeugt, zeichnete und malte, was in wenigen Schritten erreichbar war: immer wieder die Gegend um den Marktplatz, die Spitalkirche, den Weißen Turm, immer wieder die Obere Stadt mit Petrikirche und immer wieder die Plassenburg.
Einzelheiten, vielen ein unbeachtetes, gewohntes Beiwerk, dienen dem Bildganzen: Mauern, Erker, Laternen, Brunnen, Brücken und Bäume.
Die heimatliche Landschaft wird erobert; die Wiesengründe der Maintäler haben es ihm angetan. Spiegelndes Wasser und über allem die blauen Höhen, violette Mulden, rosig angehauchte Wolken!
Die Jahreszeiten entlocken seiner Palette wechselnde Farbharmonien, die tonig bleiben, oft schwer lasten und manchmal wuchtig oder fahl sind.
Anbrechender Dämmerung gehört seine volle Aufmerksamkeit.
Das Bildoberflächen sich trübten und nachdunkelten ist dem ungeeigneten Firnis zuzuschreiben, was um so erstaunlicher wirkt, als Michel Weiß sein Farbmaterial mit großem Bedacht prüfte, gelegentlich sogar selbst anmischte.
Häufig akzentuieren einzelne Figuren oder Gruppen den Schauplatz: feine Herren und Damen, Handwerker, Bauern, Marktfrauen, Kutschen, Pferde, ein Hund.
Die kleine Stadt erlebte in den Gründerjahren einen starken wirtschaftlichen Auftrieb.
Die Bürgerschicht konnte darauf hinzielen, mit Familienporträts in der guten Stube zu repräsentieren. Ihm, dem eingesessenen Kulmbacher, erschloß sich zwanglos die Sinnesart seiner Auftraggeber.
Beim Malen der noblen Bildnisse hielt er fruchtbare Distanz. Seine Modelle geben sich selbstsicher, wirken verhalten, besinnlich, bisweilen kühl, wie aus Stilleben herausgeschnitten.
Manches Haus bewahrt eine Folge von Gemälden, aus heutiger Sicht eine Ahnengalerie zweier Generationen.
Wir spüren die romantische Unterströmung, die Michel Weiß als Nachfahren Spitzwegs auszuweisen scheint. Ist er nicht auch ein naturlyrischer Schilderer der Heimat, der in bewußtem Stolz selbst das Pathetische nicht scheut?
Sein Realismus ist frei von außerhalb der Malerei liegenden Strebungen, frei von sozialer Kritik, frei von gezwungener Süßlichkeit, frei von den in der zeitgenössischen Geschichtsmalerei liegenden Gefahren. Gemessen an dem Umbruch der ästhetischen Prinzipien, wie er etwa am Werk des gleichalterigen Emil Nolde abzulesen ist, erkennen wir hier die tief eingewurzelten, in seltener Beharrlichkeit geübten Grundsätze der Münchner Schule.
In dem idealistischen Geschichtsbewußtsein, in dem malerisch tonigen Bildausdruck, in der wohlgeordneten Komposition der Gemälde, in der eigensinnigen Geradlinigkeit seines Wesens, das die atmosphärische Helligkeit der gleichzeitigen Impressionisten nicht unter die Haut gehen läßt und erst recht die reine Abstraktion als Abweg empfindet, ist sich Michel Weiß zeitlebens selbst treu geblieben.

Zum Vergleich:

1 Carl Spitzweg 1808-1885
2 Käthe Kollwitz 1867-1945
3 "Die Gartenlaube« seit 1853
4 Karl Theodor von Piloty 1826-1886
5 Emil Nolde 1867-1956
6 Max Sievogt 1868-1932
7 Wassily Kandinsky 1866-1944

Michel Weiß